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Der mikrobiologische Fingerabdruck des Wassers

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 2/2015

Wie das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen in St. Gallen in nur wenigen Stunden feststellen kann, ob sich Trinkwasser mikrobiologisch verändert hat oder nicht.

 

Jürg Schmid
Kanton St. Gallen, Gesundheitsdepartement Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen

Haben Sie eine besondere Beziehung zu Wasser?
Jürg Schmid: Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel, darüber besteht überhaupt kein Zweifel, und darum genießt die Wasseranalytik bei uns, im Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen des Kantons St. Gallen, auch eine hohe Priorität. Wasser ist, als Hauptbestandteil des Blutes, wichtigstes Transportmittel im menschlichen Körper und deshalb ist es ganz entscheidend zu wissen, ob die bei uns im Labor untersuchten Proben den gesetzlichen Anforderungen für Trink- und Badewasser entsprechen, damit die Bevölkerung es sorgenfrei konsumieren kann. Insofern hat Wasser für mich durchaus eine spezielle Bedeutung.

Woher stammen die Proben, die Sie bei sich im Labor untersuchen?
Jürg Schmid:
Die Proben stammen aus Versorgungsnetzen, Quellen, Grundwasserpumpwerken, Schwimmbädern und auch Privathaushalten. Diese Proben werden bei uns im Labor des Amts für Verbraucherschutz und Veterinärwesen untersucht und dabei wird geprüft, wie viele Keime sich zum Zeitpunkt der Probennahme darin tummeln.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag für Sie aus?
Jürg Schmid: 
Wasser ist nicht gleich Wasser. Um seine Qualität und damit die Wirkung auf den Verbraucher zu beurteilen, gibt es anerkannte Maßgrößen. Trinkwasser beurteilt man nach der aeroben mesophilen Keimzahl (AMK), einem bewährten Maß für den allgemeinen Zustand eines Lebensmittels. Darüber hinaus muss garantiert sein, dass in einer Probengröße von 100 mL weder Escherichia coli Bakterien (Indikator für fäkale Kontamination) noch Enterokokken zu finden sind, damit das untersuchte Wasser als mikrobio­logisch rein eingestuft werden kann. Diese Richtschnur bestimmt aus funktionalen Gründen den Prozess im Labor. Das Resultat für E. coli liegt einen Tag nach Ansetzung der Probe vor, der Nachweis anderer Bakterien dauert etwas länger, das heißt, am zweiten Tag liegen die Resultate für Enterokokken vor und, wenn mit der traditionellen Methode gearbeitet wird, am dritten diejenigen für die AMK.

Die sichere Bestimmung von Legionella pneumophila
ist ein äußerst zeitaufwendiger Prozess, der bis zu 10 Tagen dauern kann.

Wie viele Proben untersuchen Sie jährlich?
Jürg Schmid:
Im Jahr 2014 wurden im Labor des Kantons St. Gallen 5.086 Trinkwasserproben, 406 amtliche Netzwasserproben, 351 Badewasserproben, 24 amtliche Beckenwasserproben und 560 Legionellenproben untersucht. Diese Zahl liegt leicht tiefer als im Vorjahr.

Vor Kurzem konnte man der Presse entnehmen, dass sich in der Region Le Locle im Neuenburger Jura rund 1.000 Personen mit einer Magen-Darm-Krankheit infiziert hatten und 90 Personen hospitalisiert werden mussten. Schuld daran war das mit Kolibakterien verschmutzte Trinkwasser. Wieso hat man dies so spät bemerkt?
Jürg Schmid:
Der Nachweis von E. coli als Indikatorbakterium für eine fäkale Verunreinigung von Wasser dauert wie erwähnt 24 Stunden, eigentlich viel zu lange, wenn man einem ernsthaften Problem wie in dem genannten Fall gegenübersteht. Schnellmethoden in der analytischen Mikrobiologie sind zu dem Zweck sicherlich wünschenswert, um in solchen Situationen wertvolle Zeit zu gewinnen. Die Ursache wie in dem Fall die enormen Niederschlagsmengen, welche Abwasser in die Trinkwasser-Reservoirs haben fließen lassen, können aber auch so nicht verhindert werden.

 

»Mit der AMK sieht der Experte im Labor nur was wächst, mit der durch die Durchflusszytometrie ermittelten Totalzellzahl sieht er alles.« 


Hat sich der Laboralltag nach Einführung der Durchflusszytometrie verändert?
Jürg Schmid:
Die bisherige Bestimmungsmethode der aeroben mesophilen Keimzahl hat eine lange Tradition: Man gibt die im Wasser vorhandenen Bakterien auf einen Nährboden, lässt die Keime an einem warmen Ort wachsen und überprüft drei Tage später, ob und falls ja, wie viele Kolonien sich gebildet haben. Mit dieser herkömmlichen Methode wird aber nicht alles sichtbar, was sich in der Wasserprobe befindet. Darum haben wir im Jahre 2013 unseren Kunden die Durchflusszytometrie als eigentliche Schnellmethode angeboten, weil damit die Zahl der Bakterien viel genauer und auch viel schneller ermittelt werden kann, was bezüglich Effizienz gegenüber der früheren Situation einem Quantensprung gleichkommt.

Was ist das herausstechende Merkmal der Fluoreszenzmessung mit dem Sysmex Partec Gerät?
Jürg Schmid:
Das Gerät ist natürlich sehr leistungsfähig und kann automatisiert bis zu 100.000 Zellen pro Minute untersuchen. Aber für uns waren die entscheidenden Argumente, um den CyFlow© Cube 6 zu wählen, seine Kompaktheit und sein außerordentlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sind die Vorteile der Durchflusszytometrie bei den kantonalen Laboren angekommen?
Jürg Schmid:
Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Es ist wie immer und überall, wo neue Technologien die alten Prozesse und Methoden herausfordern: Dem Bewährten steht eine neue, noch unbekannte Welt gegenüber. Die vielen Erfahrungen und vertrauten Geschichten konkurrieren mit den neuen Möglichkeiten und den erst noch zu sammelnden Eindrücken, das stößt naturgemäß auf Skepsis, das ist völlig normal und braucht dementsprechend Zeit. Da mithilfe der Durchflusszytometrie die in der Wasserprobe fluoreszenzmarkierten Zellen durch eine enge Kapillare geschickt werden, während ein Laserstrahl sie einzeln erfasst, liegt danach für koloniebildende Einheiten ein deutlich genaueres und aussagekräftigeres Ergebnis vor, das in Bezug auf den Qualitätsanspruch der Labore nicht ignoriert werden kann. Auf einen Nenner gebracht: Mit der AMK sieht der Experte im Labor nur was wächst, mit der durch die Durchflusszytometrie ermittelten Totalzellzahl sieht er alles.

 

»Dem Bewährten steht eine neue, noch unbekannte Welt gegenüber.«

Wo sehen Sie in der Wasseranalytik Optimierungsbedarf für die Zukunft?
Jürg Schmid:
Diejenige Analyse im Bereich der Wasseranalytik, welche am zeitintensivsten ist, betrifft die Bestimmung von Legionellen. Hier geht es ausschließlich um Duschwasser, in der Trinkwasseranalytik sind diese beweglichen Stäbchenbakterien kaum ein Thema. Die Bestimmung von Legionella pneumophila dauert 10 Tage, vom Eintreffen der Wasserprobe im Labor bis hin zum Ergebnis gerechnet. In Fällen, in denen Erkrankungen vorkommen, ist das definitiv zu lange. Wir und auch andere suchen deshalb nach Methoden, wie wir in so einer Situation zukünftig schneller zu Resultaten gelangen können.  

Das Gespräch wurde geführt von Stephan Wilk.

Fotoquelle: Getty Images, Sysmex

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