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Das Krankenhaus von morgen

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2019

Patientendaten auf Papier – das wird es im Westpfalz-Klinikum schon bald nicht mehr geben. Das kommunale Krankenhaus trifft Vorbereitungen für die digitale Patientenakte. Mobiles Arbeiten soll den Alltag von Ärzten und Pflegepersonal erleichtern – und die Behandlung von Patienten optimieren

Frank Ebling, Leiter des Referats IT im Westpfalz-Klinikum, und sein Mitarbeiter Christian Fuchs kontrollieren die Funktionstüchtigkeit des Servers

Morgens 9.30 Uhr im Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern.
Ein Stationsarzt visitiert gerade ein Zimmer, in dem eine Patientin mit einer schweren Lungenentzündung liegt. „Wie sieht es mit meinem Röntgenbild aus?“, fragt die Frau. Eine Frage, die der Arzt adhoc so nicht beantworten kann. Denn am Patientenbett kann er nicht auf alle relevanten Informationen zugreifen. Um sich das Röntgenbild anzusehen, muss er ins Arztzimmer gehen, wo sein Computer steht. Mit der Digitalisierungsoffensive, die das Westpfalz-Klinikum gestartet hat, soll sich das ändern. Flächendeckendes WLAN, elektronische Patientenakte, digitales Archiv, sichere Kommunikationslösung – die Digitalisierung im Krankenhaus umfasst viele Aspekte. „Ein großes Ziel ist es, von der papiergebundenen Dokumentation wegzukommen“, sagt Frank Ebling, Leiter des Referats IT im Westpfalz- Klinikum. Um das zu erreichen, müssen viele Voraus setzungen erfüllt sein. „Die vergangenen Jahre waren von Vorbereitungen dafür geprägt“, so Ebling.
Das Referat IT des Westpfalz-Klinikums hat sich zunächst darauf konzentriert, Funktionsstellen wie die Radiologie, die Endoskopie, die Sonografie oder das Labor auf diese Umstellung vorzubereiten. Es galt, entsprechende Module zu etablieren und aufzubauen, damit Untersuchungsergebnisse dort in digitaler Form vorliegen und gespeichert werden können. „Heute organisieren die Funktionsstellen ihre Arbeitsabläufe schon damit“, sagt Ebling.

Mobiles Arbeiten optimiert die Behandlung
Im Labor ist seit zwei Jahren eine Labordiagnostiklösung von Sysmex in Betrieb, die die Hämatologie weitgehend automatisiert hat. Sie beinhaltet das Hämatologie-Analysesystem XN-3000 inklusive dem Ausstrich- und Färbeautomaten SP-10 sowie das automatisierte Bildanalysesystem DI-60. In Kürze soll eine neue Kommunikationssoftware von Sysmex folgen, die den Austausch von Befundbildern zwischen dem Labor und der Hämatoonkologie ermöglicht. „So können wir die Zellbilder hin- und herschicken und mit früheren abgleichen“, erläutert Prof. Dr. med. Axel Stachon, Chefarzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin. „Das hilft uns, die Beurteilung des Krankheitsverlaufs zu optimieren.“

Seit 2017 existiert im Westpfalz-Klinikum auch für alle Kliniken ein digitales Archiv. Es speichert Daten und dient als Back-up-Lösung. Damit stellt es eine Vorstufe der elektronischen Patientenakte dar. Doch die Verfügbarkeit, zum Beispiel am Patientenbett, ist noch nicht gegeben. Dafür fehlt es noch an der entsprechenden Hard- und Software sowie an flächendeckendem WLAN. „Deshalb gehen wir jetzt das Thema Infrastruktur an“, erklärt Ebling. Das heißt: Noch in diesem Jahr soll an den vier Klinik-Standorten in Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen WLAN verfügbar sein – eine notwendige Voraussetzung für die weitere Digitalisierung. „Denn erst
dann können wir mobil arbeiten“, sagt Ebling. Durch die Errichtung einer WLAN-Struktur werden Ärzte und Pflegepersonal in Zukunft nicht mehr an einen festen PC gebunden sein. Stattdessen können sie die Patientenakten dezentral bearbeiten und auf mobilen Endgeräten abrufen, zum Beispiel am Patientenbett. Die digitale Visite soll eine Erleichterung in den Alltag bringen. Auf dem Weg dahin müssen jedoch noch einige Hürden genommen werden. Eine große Herausforderung sieht der ITChef darin, medizinische Geräte wie Ultraschallgeräte und andere bildgebende Verfahren an das Krankenhausinformationssystem anzubinden. Denn die Anbindung eines einzigen Ultraschallgeräts kostet bis zu 10.000 Euro. Darüber hinaus müssen mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets angeschafft werden, auf denen entsprechende Programme und Apps installiert werden müssen. „Digitalisierung kostet auch Geld“, sagt Ebling.

 

Dr. med. Frauke Wenzelburger, Fachärztin für Innere Medizin, betreut derzeit eine Studie, in der Patienten winzige Pulmonalarterien-Druckaufnehmer implantiert bekommen, die ihre Daten täglich ans Krankenhaus funken

 

Mehr Lebensqualität dank Telemedizin
Ein weiterer Aspekt der Digitalisierung ist die Telemedizin.
Zwischen 2012 und 2014 etablierte das Westpfalz-Klinikum erfolgreich das telemedizinisch gestützte Versorgungskonzept „E.He.R.“ für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen. Über sechs Monate sendeten Patienten über Mobilfunk täglich Blutdruck, Gewicht und Puls sowie weitere Daten aus funkfähigen implantierten kardialen Geräten, zum Beispiel Herzschrittmachern an das Krankenhaus. Speziell dafür ausgebildete Schwestern werteten die Daten aus und griffen bei Bedarf ein. „,E.He.R.‘ konnte den positiven Einfluss des telemedizinisch gestützten Versorgungskonzepts auf die Symptome und die Lebensqualität der Patienten eindrücklich belegen“, resümiert Dr. med. Frauke Wenzelburger, Fachärztin für Innere Medizin.

Was Herzschrittmacher und Defibrillatoren angeht, gehört die telemedizinische Versorgung mittlerweile zum Standard. „Alle großen Schrittmacher-Firmen bieten das an und stellen uns entsprechende Funkverbindungen zur Verfügung“, sagt Wenzelburger. Vorteil: Die Patienten müssen nicht mehr so häufig im Krankenhaus vorbeikommen. Nachteil: Es ist unklar, wer die Kosten für die erforderlichen Zusatzgeräte trägt, die die Patienten benötigen. Und auch die Vergütung der Fernüberwachung ist bislang nicht geklärt. Dennoch unternimmt das Westpfalz-Klinikum weitere Schritte in der Telemedizin. Derzeit läuft eine Studie, in der Patienten winzige Pulmonalarterien-Druckaufnehmer implantiert bekommen, die ihre Daten täglich ans Krankenhaus funken. „Ziel ist es, Lungenödeme frühzeitig zu erkennen und mit Medikamenten gegenzusteuern“, erläutert Wenzelburger.

Mit der fortschreitenden Digitalisierung rückt im Westpfalz-Klinikum auch immer mehr die IT-Sicherheit in den Fokus. Wie gehen wir mit sensiblen Daten um und schützen sie vor unbefugtem Zugriff? Und wie gewährleisten wir, dass die IT-Systeme rund um die Uhr funktionieren? – Mit diesen zentralen Fragen muss sich die IT-Abteilung im Krankenhaus befassen. „Wir sind gesetzlichen Regularien wie dem IT-Sicherheitsgesetz unterworfen. Das macht die Umsetzung der Digitalisierung komplexer“, sagt Ebling. Und auch auf mögliche Ausfallszenarien muss sich das Krankenhaus vorbereiten. Da sind parallele, auf Datensicherheit und Datenverfügbarkeit ausgerichtete Strukturen an jedem Arbeitsplatz ein Muss. Das Westpfalz-Klinikum stellt sich den Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Die Zahl der IT-Mitarbeiter wurde in den vergangenen Jahren aufgestockt, die Digitalisierung zum strategischen Ziel der Geschäftsführung erklärt. Das Thema IT-Sicherheit hat Priorität.

Plattform für Mitarbeiter-Kommunikation
In den vergangenen Monaten hat das Westpfalz-Klinikum eine sichere mobile Krankenhaus-Kommunikationslösung mitentwickelt. Dafür hat Geschäftsführer Peter Förster im Rahmen der Medica, Weltleitmesse der Medizinbranche, die im November 2018 in Düsseldorf stattfand, eine Auszeichnung als Unternehmens-/Klinikführer 2018 erhalten. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, denn sie zeigt, dass wir im Hinblick auf die Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagt der Geschäftsführer. Mit NetSfere, das bereits von zwei Kliniken des Westpfalz-Klinikums erprobt wurde, schafft das Krankenhaus eine gesicherte Plattform für eine selbstbestimmte Mitarbeiterkommunikation. „Das System ermöglicht unseren Mitarbeitern einen zeitnahen und unbürokratischen Austausch bei dienstlichen Fragen und Problemen“, erläutert Förster.

Vorteile von NetSfere: Es ist auf mobilen Betriebssystemen und auf dem Desktop verfügbar. Konversationen sind durchgängig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Die IT-Administration behält dabei die Kontrolle über die Kommunikationsbeziehungen sowie Anhänge wie Videos oder Dokumente. Auch wenn einige Ideen noch vor der Umsetzung stehen, stößt das Projekt im Westpfalz-Klinikum bereits auf großes Interesse. „Es gibt zahlreiche Vorschläge hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten“, sagt Förster. Der nächste Schritt wird die Anbindung von NetSfere an die IT-Systeme im Krankenhaus sein.

„Ein großes Ziel ist es, von der papiergebundenen Dokumentation wegzukommen“

Frank Ebling, Leiter des Referats IT im Westpfalz-Klinikum

Austausch über innovative Ideen
Die Vorreiterrolle des Westpfalz-Klinikums spiegelt sich auch im eHealth-Symposium Südwest wider. Dieses hat das Unternehmen im Januar bereits zum zweiten Mal mit seinen Partnern Empolis und dem Business + Innovation Center Kaiserslautern veranstaltet. Das Thema in diesem Jahr: Chancen der Digitalisierung in der Medizin. „Mit dem eHealth-Symposium zeigen wir, dass wir am Thema Gesundheitsvernetzung dran sind“, sagt Ebling. „Das hat Signalwirkung in der Region.“ Ziel des Symposiums ist es außerdem, die interdisziplinäre Zusammenarbeit regionaler Akteure in Medizin, Forschung, Wirtschaft und Politik im Südwesten Deutschlands zu stärken. Regionale Akteure nutzen die Gelegenheit, sich über aktuelle und zukünftige Einsatzmöglichkeiten von künstlicher Intelligenz, Big Data, Precision Medicine und andere innovative Ideen auszutauschen. Eine Veranstaltung, die auf großes In teresse stößt. Auch wenn die Digitalisierung ein weiter Weg ist – Ebling hat die Vorteile klar vor Augen. Vielleicht kann der Stationsarzt im Westpfalz-Klinikum schon in wenigen Jahren bei seiner Visite einer Patientin mit einer schweren Lungenentzündung das Röntgenbild auf einem mobilen Endgerät präsentieren und erläutern.

Und vielleicht wird er dank der elektronischen Patientenakte am Patientenbett auch auf Laborwerte, Medikamentenplan, Vordiagnosen und Terminlisten zugreifen können. Weiter rechnet Ebling damit, dass Patienten durch die zunehmende Digitalisierung schneller behandelt und früher entlassen werden können. Das komme nicht nur dem Krankenhaus, sondern auch den Patienten zugute. Darüber hinaus erhofft sich der IT-Chef bei der Bestellung von Medikamenten, der Benachrichtigung beteiligter Ärzte, der Erhebung von Kennzahlen oder der Entscheidung für bestimmte Therapien effizientere Prozesse. „Durch die Automatisierung können wir manuelle Tätigkeiten abbauen“, sagt Ebling. „So bleibt mehr Zeit für andere Dinge.“

Weitere Informationen zum DI-60 und der CellaVision® Software finden Sie im Themenblatt Nr. 5

Summary

  • Das digitale Archiv bereitet den Weg für eine mobile, standortübergreifende Patientendokumentation
  • Der Ausbau der Telemedizin sichert die moderne Medizinversorgung der Menschen im ländlichen Raum
  • Die Digitalisierung stellt das Krankenhaus im Hinblick auf Datensicherheit vor neue Herausforderungen, die die ITAbteilung gewissenhaft bewältigt
  • In Zusammenarbeit mit Partnern aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Big Data und eHealth nimmt das Westpfalz-Klinikum in der Region eine Vorreiterrolle ein

 

Hintergrund

Mit menschlichem Antlitz
Die Westpfalz-Klinikum GmbH stellt die medizinische Versorgung für die Region der Westpfalz und des angrenzenden Nordpfälzer Berglands mit einer Bevölkerung von mehr als 500.000 Menschen sicher. An vier Standorten betreibt das Westpfalz-Klinikum mehr als 40 Kliniken, Abteilungen und Institute sowie drei Belegabteilungen. Gemeinsam ist ihnen der Grundsatz, moderne Medizin mit einem menschlichen Gesicht zu verbinden. Mehr als 150.000 Patienten pro Jahr werden von rund 1.700 Pflegekräften betreut, insgesamt sind mehr als 4.100 Mitarbeiter beschäftigt. Das Klinikum ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg.

 

Text und Bild Westpfalz-Klinikum GmbH

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