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Die richtige Therapie zum richtigen Zeitpunkt

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 2/2018

Mit der Liquid Biopsy kann die systemische Krebstherapie weiter personalisiert werden. Die blutbasierte Mutationsanalytik hilft zu erkennen, welche Therapie zu welchem Zeitpunkt bei welchem Patienten wirken kann.

PD Dr. Alexander Baraniskin ist Oberarzt an der Medizinischen Universitätsklinik Bochum sowie Leiter des dortigen Liquid-Biopsy-Exzellenzzentrums

 

 

Schon 1869 berichtete der Forscher T. R. Ashworth im „Australasian Medical Journal“, dass er die Tumorzellen eines verstorbenen Patienten mit solidem Tumor im Blut nachweisen konnte. Er vermutete eine Verbindung zwischen Primärtumor und Metastasen. Heute weiß man nicht nur, dass es diese Verbindung gibt, sondern nutzt die Analytik dieser Tumorzellen oder sogar die Analytik von freier Tumor-DNA im Blut zur Prognose und Therapieprädiktion bei Krebspatienten. Die Analytik der Tumor-DNA, genannt Liquid Biopsy, setzen Mediziner ein, um unter anderem den Mutationsstatus spezieller Onkogene im Blut zu ermitteln und die weiterführenden Therapien entsprechend anzupassen.

PD Dr. Alexander Baraniskin ist Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und Onkologie und als Oberarzt in der Medizinischen Universitätsklinik, Knappschaftskrankenhaus Bochum tätig. Er leitet dort das Kompetenzzentrum für „OncoBEAM™ Liquid Biopsy“-Diagnostik, das erste von mittlerweile vier Exzellenzzentren in Deutschland. Wir haben mit ihm über aktuelle und zukünftige Anwendungsmöglichkeiten der Liquid Biopsy gesprochen.

Die Liquid Biopsy ist ein perfektes Diagnostikum, um das jeweils aktuelle Tumorprofil zu erhalten.“

PD Dr. Alexander Baraniskin, Oberarzt Knappschaftskrankenhaus Bochum

Hat die personalisierte Medizin die Behandlung von Krebs verändert?

PD Dr. Alexander Baraniskin: Definitiv. Es ist heutzutage möglich, molekulargenetische Profile zu erstellen und darauf basierend eine zielgerichtete Therapie einzusetzen. Letzlich strebt man mit der personalisierten oder individualisierten Therapie an, dem richtigen Patienten die richtige Therapie, aber auch zum richtigen Zeitpunkt zu geben.

Warum ist Liquid Biopsy für die personalisierte Medizin so bedeutend? Und wo sehen Sie den Vorteil gegenüber einer Gewebebiopsie?

Liquid Biopsy ermöglicht es, mit einer einfachen Blutentnahme Fragmente der Tumor-DNA im Blut zu finden und die entsprechenden Mutationen zu bestimmen. Der größte Vorteil dieser Methode: Sie ist nicht invasiv und kann so mehrfach und zu jedem Zeitpunkt der Erkrankung durchgeführt werden. Heutzutage weiß man, dass der Tumor seine Identität, seinen Fingerabdruck ändern und ein anderes molekulargenetisches Profil mit neuen Mutationen erlangen kann, um etwa einen Schaden durch die Chemotherapie zu überstehen.

Bei der personalisierten Medizin ist es entscheidend, den aktuellen Tumorstatus und das molekulargenetische Profil zu kennen. Wenn wir die Gewebebiopsie der Erstdiagnose anschauen, ist es wahrscheinlich, dass dieser Zustand nicht mehr dem aktuellen Stand entspricht – und der Patient womöglich eine falsche Therapie bekommt. Gewebeproben kann man auch nicht mehrfach entnehmen: Sie sind mit Blutungen und Organverletzungen assoziiert und können schmerzhaft sein. In diesem Fall ist die Liquid Biopsy ein perfektes Diagnostikum, um das aktuelle Tumorprofil zu erhalten. Da die Halbwertszeit der Tumor-DNA bei nur etwa zwei Stunden liegt, hat man immer einen brandaktuellen Status.

Wie funktioniert die OncoBEAM™-Technologie?

Man braucht nur eine Entnahme von etwa zehn Milliliter Blut. Daraus kann man dann die Tumor-DNA mit PCR-basierten Verfahren über mehrere Amplifikationsschritte nachweisen. Die Sensitivität ist so hoch, dass ein Tumorfragment in über 10.000 DNA-Fragmenten ermittelt werden kann.

Für welche Krebsarten wird die Liquid Biopsy heute schon in der Routinediagnostik verwendet?

Momentan ist die Liquid Biopsy bei metastasiertem Darmkrebs und nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom in der Routine anwendung. Bei beidem hat die Liquid Biopsy Einzug in die S3-Leitlinien erhalten, was ich sehr positiv bewerte. Ich gehe davon aus, dass die Zahl der Anwendungen in der nächsten Zeit weiter zunehmen wird. Bei metastasiertem Darmkrebs kann die Liquid Biopsy zur Erstdiagnose durchgeführt werden, wenn die Bestimmung der relevanten RAS-Mutationen für die zielgerichtete Therapie aus dem Gewebe nicht möglich ist. Im weiteren Verlauf der Behandlung vor der Einleitung der zielgerichteten Therapie mit anti-EGFR-Antikörpern wird Liquid Biopsy auch
empfohlen, wenn eine Gewebeuntersuchung nicht möglich ist. Bei nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom ist der Nachweis der Mutationen im EGFR-Gen die Voraussetzung für eine zielgerichtete Therapie. Hier wird die Liquid Biopsy empfohlen, wenn der Tumor des Patienten eine EGFR-Mutation und unter der ersten zielgerichteten Therapie einen Progress entwickelt hat.

Das Knappschaftskrankenhaus in Bochum war 2015 das erste Exzellenzzentrum in Deutschland, das die OncoBEAM™-Technologie als Routinediagnostik implementiert hat. Was waren Ihre Beweggründe, dieses Verfahren für Ihre Patienten anzubieten?

Die OncoBEAM™-Technologie von Sysmex ist die sensitivste Methode, RAS-Mutationen zu entdecken. Zudem ist das Verfahren im Gegensatz zu anderen Methoden IVD approved. Gibt es neben der initialen Therapieentscheidung weitere Anwendungen, für die OncoBEAM™ sich besonders eignet? Das Verfahren ist besonders wichtig für das Monitoring der Erkrankung unter Therapie, denn fast jeder Patient entwickelt im Verlauf der zielgerichteten Therapie eine Resistenz. Die Therapie ist damit nicht mehr wirksam und schadet eher durch Nebenwirkungen. Diese Resistenz entsteht häufig durch neu erworbene Mutationen, die man über eine Liquid Biopsy identifizieren kann. Die Behandlung kann dementsprechend angepasst und so eine personalisierte Therapie umgesetzt werden.

Erlauben Ihnen die Ergebnisse, die Sie mit OncoBEAM™ erhalten, Therapieentscheidungen für Ihre Patienten schneller und präziser zu treffen?

Ja, solange wir eindeutig positive oder negative Ergebnisse haben. Dann sind wir jetzt schon in der Lage, Rezidive oder Tumorresterkrankungen frühzeitig zu erkennen, neue Resistenzen gegenüber anti-EGFR-Inhibitoren zu entdecken und die Therapie entsprechend umzustellen, um den Patienten eine nicht mehr wirksame Therapie zu ersparen.

Können auch Onkologen von extern Blutproben in einem der vier OncoBEAM™-Zentren in Deutschland analysieren lassen?

Auf jeden Fall. Blutröhrchen und Versandmaterial können über die Exzellenzzentren oder bei Sysmex bestellt werden. Das entnommene Blut wird von einem Transportunternehmen über Nacht in ein Exzellenzzentrum gebracht. 72 Stunden später gibt es das Ergebnis sowie eine Besprechung der weiteren Therapieschritte mit dem zuständigen Onkologen.

Welche Zukunft sehen Sie für OncoBEAM™ bei anderen Krebsentitäten und Tumoren?

Das hängt unter anderem davon ab, welche weiteren Mutationen außer RAS- und BRAF-Mutationen OncoBEAM™ erfassen kann. Heutzutage mit NRAS- und KRAS-Mutationen kann das Testsystem schon einen diagnostischen Mehrwert beim Pankreaskarzinom haben oder bei Melanomen, wo wir häufig BRAF-Mutationen sehen. Außerdem kann OncoBEAM™ auch bei nicht-soliden, also hämatologischen Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen. Wir wissen, dass beim multiplen Myelom etwa 30 Prozent der Patienten KRAS-mutiert sind. Auch bei dieser Erkrankung könnte der OncoBEAM™ Test infrage kommen.

Wird aus Ihrer Sicht die Liquid Biopsy schon so umfangreich eingesetzt, wie es möglich wäre? Oder was muss in der Praxis noch geschehen, um das volle Potenzial auszuschöpfen?

Nein, die Liquid Biopsy wird nicht so häufig eingesetzt, wie es möglich wäre. Das liegt meiner Ansicht nach daran, dass die Methode relativ neu und noch nicht allen Onkologen bekannt ist. Um den Einsatz zu erhöhen, muss man mehr darüber sprechen, mehr Daten generieren und hochrangige Publikationen veröffentlichen. Wir hoffen, in den nächsten Jahren zeigen zu können, dass Patienten, die mit Liquid Biopsy überwacht werden, davon tatsächlich profitieren, indem sie länger leben und eine bessere Lebensqualität haben.

Summary

  • Die Liquid Biopsy ermöglicht, Fragmente von Tumor-DNA im Blut zu finden und zu analysieren
  • Die OncoBEAM™-Technologie von Sysmex liefert eine höhere Sensitivität als andere Methoden der Liquid Biopsy
  • Vier deutsche Exzellenzzentren bieten die OncoBEAM™-Technologie auch für Einsender an

 

Interview: Dr. Barbara Behrens

Fotoquelle: stimmungsfaenger.de (Stefan Karstens)

Erstattung
Eine Krankenkasse zahlt

Liquid Biospy wird noch nicht generell von den deutschen gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Anders als beim nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom existiert für Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs noch keine EBM-Ziffer für die Liquid Biopsy. Die Barmer Ersatzkasse allerdings erstattet den OncoBEAM™-RAS-Test in Kooperation mit drei OncoBEAM™-Exzellenzzentren. Er soll als Grundlage für die Therapieentscheidung und fürs Monitoring dienen, um im Verlauf der Antikörpertherapie neu auftretende, resistenzvermittelnde RAS-Mutationen erkennen und die Therapie zeitnah anpassen zu können. Eine Erstattung ist auch innerhalb von ASV-Netzwerken (Ambulant Spezialärztliche Versorgung) möglich. ASV-Netzwerke versuchen, innovative Technologien innerhalb der Netzwerke zu fördern und das Patientenmanagement zu vereinfachen und zu optimieren. Eine weitere Möglichkeit ist, einen Antrag auf Einzelfallentscheidung zu stellen.

An diesen Standorten wird die OncoBEAM™-Technologie zur Bestimmung des Mutationsstatus genutzt. Onkologen können die Blutproben ihrer Patienten in diese Zentren einsenden. Das Exzellenzzentrum im österreichischen Graz führt nur Tests für den eigenen Gebrauch durch

 

 

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Telefon: +49 (40) 534 10 2 - 0

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