DARMKREBSFRÜHERKENNUNG

Darmkrebs gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Krebserkrankungen in Deutschland. Dabei ist er bei frühzeitiger Erkennung durchaus vermeidbar. Mittels immunchemischer Tests (iFOB-Test) auf Hämoglobin im Stuhl werden geringe Mengen menschlichen Blutes im Stuhl nachgewiesen.

Gemäß der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie haben Versicherte seit dem 1. April 2017 Anspruch auf iFOB-Tests anstelle des bisherigen Guajak-Tests, da diese Blutspuren im Stuhl deutlich besser nachweisen. Patienten können den Test ab einem Alter von 50 jährlich und ab 55 alle zwei Jahre kostenfrei bei ihrem Hausarzt, Internisten, Gynäkologen bzw. Urologen durchführen.

Das von Sysmex angebotene Proben-Röhrchen SENTiFIT pierceTube ermöglicht dem Patienten eine sichere und einfache Durchführung des Stuhltests. Das Labor wiederum profitiert von einer schnellen und hygienischen Abarbeitung der Proben dank dem auf das Röhrchen abgestimmten Analyser Sentifit 270. Informieren Sie sich über den iFOBT-Test unter www.darmkrebs-screening.eu.

Heilsame Sammelwut

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2018

Die Initiative BRoTHER vernetzt deutsche und tschechische Biobanken und erhöht so den Erkenntnisgewinn der Daten. Ein Gerät von Sysmex hilft dem Regensburger Pathologen Prof. Christoph Brochhausen-Delius bei seiner zukunftsweisenden Arbeit

Will dem Konzept der personalisierten Medizin mit den vernetzten Biobanken möglichst nahekommen: Prof. Christoph Brochhausen-Delius

Biologische Daten sammeln und in Beziehung zueinandersetzen – damit können Krankheiten erforscht, das Zusammenspiel genetischer Dispositionen erkannt und bahnbrechende Therapien entwickelt werden. Biobanken sammeln diese biologischen Daten, die aus unterschiedlichen Quellen gewonnen und mit Einverständnis des Patienten anonymisiert zur Forschung freigegeben werden. Blut-, Urin- und Gewebeproben werden dabei mit medizinischen oder genetischen Daten, Informationen über Krankheitsverläufe und Statistiken verknüpft.

Prof. Christoph Brochhausen-Delius arbeitet am Institut für Pathologie an der Universitätsklinik Regensburg und leitet die Gewebebank des Comprehensive Cancer Centers Ostbayern. Eine seiner bedeutendsten Aufgaben ist es, ein neues Konzept des Biobankings aufzusetzen und der Sammlung und Nutzung biologischer Daten damit neues Gewicht zu geben. Mit dem Projekt „BRoTHER“ (Biobank Research on Telemedical Approaches for Human Biobanks in a European Region) werden die Biobanken der Universitäten Pilsen und Brünn, der Technischen Universität München (TUM) sowie der Universität Regensburg vernetzt. Welche Vorteile das bringt und wie der Smartfreezer dabei hilft, erklärt er im Interview.

Die Biobank-Initiative geht über das reine Datensammeln hinaus und vernetzt mehrere Biobanken miteinander. Welche Idee steckt dahinter?

Prof. Christoph Brochhausen-Delius: Das Konzept der Vernetzung ist ein Novum. Wir vernetzen Biobanken auf digitaler Ebene, sodass gemeinsame Projekte leichter zu realisieren sind und ein digitales Zweitmeinungsverfahren bei der Probenbeurteilung möglich ist. Außerdem wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass das Thema Biobanking ins Bewusstsein breiterer Bevölkerungsschichten rückt. Hierzu haben wir auf der Ebene des wissenschaftlichen Nachwuchses ein Austauschprogramm für Studierende an den beteiligten Standorten etabliert und führen außerdem Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung durch.

Wie können Sie gewährleisten, dass in Anbetracht der Sprachbarrieren und der unterschiedlichen Voraussetzungen der Teilnehmer des Netzwerks vergleichbare Bedingungen hergestellt werden?

Um die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerks zu erleichtern, werden die Probenqualität und die Erfassung klinischer Informationen harmonisiert. Dabei kooperieren wir eng mit großen internationalen Konsortien. Außerdem arbeiten wir mit Ontologien, einem Programm aus der Informatik, das erlaubt, auf verschiedenen Ebenen Daten unterschiedlicher Quellen und Sprachen in ein Datenmanagementsystem zu integrieren und damit sicher auffindbar zu machen. Ontologien werden weltweit bei großen Krebsstudien benutzt. Ihre Möglichkeiten gehen aber noch weiter: Man kann Gewebeklassifikationen, Herkunft, anatomische Lokalisation einfach integrieren und auffindbar machen, unabhängig davon, ob ein lateinischer Terminus oder die Übersetzung in die Landessprache benutzt wurde.

Der Pathologe zwischen Mikroskop, Scanner und Server: Die Informationen werden für viele nutzbar
gemacht

Welche Systemvoraussetzungen sind nötig, um mit Ontologien zu arbeiten?

Wichtig ist, dass Ontologien in die Hard- und Software der Biobank implementierbar sind. Bei der Hardware des Smartfreezers handelt es sich um ein offenes, transparentes System, das uns erlaubt, Ontologien mit kleinen Programmen und ohne Rücksprache mit dem Hersteller einfach zu implementieren.

Was sind dabei die Vorteile des Smartfreezers von Sysmex?

Uns kommt es nicht nur darauf an, möglichst viele Gewebeproben zu sammeln, sondern möglichst datenreiche Proben zu generieren, die mit relevanten klinischen Informationen versehen sind und idealerweise in sehr hoher Qualität vorliegen. Alle Arbeitsschritte auf dem Weg der Gewebeprobe, von der Entnahme bis zur Biobank, werden exakt dokumentiert. Die biologische Qualität der Probe hängt davon ab, wie lange sie unterwegs ist. Wir versuchen, diese Zeiten so kurz wie möglich zu halten. Das betrifft nicht nur den Eingriff beim Patienten, sondern auch die Weiterbearbeitung der Probe, bis sie in der Biobank eingelagert wird. Dabei bietet der Smartfreezer einen großen Vorteil, denn sobald eine Gewebeprobe generiert wurde, können wir sie innerhalb von 20 Sekunden in ein gesichertes System für eine Langzeitlagerung überführen.

Können die gewonnenen Daten dann problemlos in die erwähnte Ontologie überführt werden?

Der große Vorteil liegt darin, dass wir die Datenbank im Smartfreezer mit verschiedenen Datenbanken des Universitätsklinikums Regensburg koppeln können. Wir müssen die Patientenangaben zur Probenidentifikation nicht manuell herstellen, dieser Prozessschritt wird über eine Schnittstelle zum Klinikinformationssystem automatisiert. Dadurch haben wir auch eine Verbindung zum Laborsystem der Klinik, sodass jede Gewebeprobe mit den entsprechenden Blutwerten aus dem Laborinformationssystem verknüpft ist.

Der Smartfreezer erlaubt ja mehrere Schnittstellen.

Genau. Aktuell bauen wir nicht nur zum Tumorregister eine Schnittstelle auf, sondern auch zu einem Digitalen Imaging System für histologische Schnittpräparate. In unserer Datenbank liegt von jeder Probe auch ein Bild vor, was hilft, wenn in einer Studie morphologische Charakteristika vom Gewebe abgefragt werden und wir Antworten darauf geben können, ohne die Probe herauszunehmen. So braucht man für Fragestellungen, etwa wie nekrotisch ein Tumor ist oder welches Entzündungsausmaß er im umliegenden Gewebe generiert, keine Probe aus der Gewebebank herauszuholen.

Korreliert das moderne Biobanking mit der Entwicklung der personalisierten Medizin?

Personalisierte Medizin ist in aller Munde und ein wichtiges Konzept für zukünftige Therapien. Indem wir möglichst viele klinische Daten mit unseren Proben verbinden, wollen wir diesem Konzept möglichst nahekommen. Wir beschränken uns nicht auf eine Gewebesammlung mit verschiedenen Tumordaten, sondern verfügen bei jeder Probe über eine dynamische Verbindung mit dazugehörigen klinischen Informationen. Diese Charakteristika
zu sammeln und mit einer Probe zu verbinden, ist die Grundlage, auf der eine Personalisierung neuer Therapiestrategien möglich wird. Selbstverständlich sind Anonymität und Datenschutz garantiert.

Wie hat sich die Arbeit mit Biobanken seit den Anfängen verändert?

Früher verfügte man lediglich über morphologische Daten, Tumortyp und TNM-Klassifikation. Heute ist es schon ein erheblicher Zugewinn, dass man dank weitreichender Informationen spezifischere und sichere Therapien entwickeln kann. Vor allem für den Pathologen entstehen hier neue Möglichkeiten, weil er nicht nur in den diagnostischen Workflow involviert ist, sondern auch aktiv an der Planung spezifischer Therapiestrategien teilnimmt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Biobankings?

Biobanken brauchen ein stabiles Konzept der Nachhaltigkeit, was heute in Europa nicht flächendeckend gegeben ist. Nachhaltigkeit bedeutet, dass Biobanken wie Universitätsbibliotheken wahrgenommen werden: vorhandene Infrastruktureinrichtungen, die man nutzt und deren Kosten getragen werden, weil sie eine Serviceinstitution darstellen. Diese Nachhaltigkeit ist nötig, um die Grundidee des Biobankings und den Fortschritt der personalisierten Medizin voranzutreiben.

Summary

  • Vernetzte Biobanken ermöglichen dank des Informationsgewinns spezifischere und sichere Therapien und sind somit Voraussetzung für personalisierte Medizin.
  • Das offene, transparente System der Smartfreezer erlaubt, mit Ontologien zu arbeiten.
  • Überführung einer Gewebeprobe innerhalb von 20 Sekunden in eine gesicherte Langzeithalterung stellt die Qualtitätsgrundlage dafür dar.

Hintergrund

BRoTHER
BRoTHER steht für Biobank Research on Telemedical Approaches for Human Biobanks in a European Region. BRoTHER ist ein Verbundprojekt von bayerischen und tschechischen Biobanken, das von der Bayerisch-Tschechischen Hochschulagentur aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen, Landesentwicklung und Heimat gefördert wird. Die aktuellen Partner sind das Institut für Pathologie der Universität Regensburg, das das Projekt koordiniert, das Institut für Pathologie der Technischen Universität München, das „Department of Immunochemistry“ am Universitätsklinikum Pilsen und das „Masaryk Memorial Cancer Institute“ der Masaryk Universität in Brünn.

Text: Stehpan Wilk

Fotoquelle: Lucia Bartl

 

 

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