DARMKREBSFRÜHERKENNUNG

Darmkrebs gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Krebserkrankungen in Deutschland. Dabei ist er bei frühzeitiger Erkennung durchaus vermeidbar. Mittels immunchemischer Tests (iFOB-Test) auf Hämoglobin im Stuhl werden geringe Mengen menschlichen Blutes im Stuhl nachgewiesen.

Gemäß der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie haben Versicherte seit dem 1. April 2017 Anspruch auf iFOB-Tests anstelle des bisherigen Guajak-Tests, da diese Blutspuren im Stuhl deutlich besser nachweisen. Patienten können den Test ab einem Alter von 50 jährlich und ab 55 alle zwei Jahre kostenfrei bei ihrem Hausarzt, Internisten, Gynäkologen bzw. Urologen durchführen.

Das von Sysmex angebotene Proben-Röhrchen SENTiFIT pierceTube ermöglicht dem Patienten eine sichere und einfache Durchführung des Stuhltests. Das Labor wiederum profitiert von einer schnellen und hygienischen Abarbeitung der Proben dank dem auf das Röhrchen abgestimmten Analyser Sentifit 270. Informieren Sie sich über den iFOBT-Test unter www.darmkrebs-screening.eu.

Den klinischen Nutzen stärken

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 2/2018 

Alain Baverel, neuer Chief Executive Officer von Sysmex Europe, interpretiert Trends in der Medizintechnik und offenbart die Zukunftspläne und Visionen von Sysmex in der EMEA-Region (Europe, Middle East and Africa)

M. Baverel, Sie werden Dr. Jürgen Schulze nächstes Jahr als Präsident von Sysmex Europe nachfolgen. Werden Sie auf seiner Linie bleiben?

ALAIN BAVEREL: Tatsächlich hat die Sysmex Corporation in Japan bereits am 1. April beschlossen, mich zum CEO für die EMEA-Region zu berufen. Damit habe ich im Grunde bereits die Arbeit von Dr. Schulze übernommen, der von April 1995 bis März 2018 CEO von Sysmex Europe war. Für mich ist es wichtig zu betonen, dass wir auf den kontinuierlichen bemerkenswerten Erfolg der letzten 15 Jahre in Europa sehr stolz sein können. Um eine zufriedenstellende Wachstumsrate beizubehalten, ganz gleich ob wir über Umsatz oder Gewinn sprechen, müssen wir in unser Geschäft investieren wie bisher.

Welche Wachstumsfelder sehen Sie über die Hämatologie hinaus?

Die Hämatologie ist unser Hauptumsatzträger. Sie macht 70 Prozent unseres Umsatzes aus. Hier sind wir Marktführer, und hier hatten wir in den letzten Jahren ein kontinuierliches Wachstum zu verzeichnen. Heute beträgt unser Marktanteil in diesem Segment über 55 Prozent. Das Wachstum im zweistelligen Bereich beizubehalten, stellt eine beachtliche Herausforderung dar. Wir haben daher beschlossen, uns stärker auf andere Segmente zu konzentrieren, zum Beispiel auf die Urinanalyse. Im vergangenen Jahr verzeichneten wir in dem Bereich einen deutlichen Zuwachs von 20 Prozent, und in diesem Jahr liegen unsere Erwartungen auf dem gleichen Niveau. Aber wir reden hier von einem Markt, der lediglich ein Viertel so groß ist wie der Hämatologie-Markt. Somit bleibt der Anteil am Gesamtwachstum in diesem Segment trotz der herausragenden Vorjahresleistung bedauerlicherweise begrenzt. Ein weiteres interessantes Feld ist sicher auch die Onkologie, die für uns sehr vielversprechend ist. Darauf liegt unser nächster Fokus. Wir haben seit 2007 enorm in diesen Bereich investiert, einerseits in die Produkte der Sysmex Corporation
wie unser Testverfahren zur Erkennung von Metastasen in Lymphknoten mittels unserer OSNA-Technologie, in unseren blutbasierten Mutationsanalysetest mittels unserer OncoBEAM™-Technologie und andererseits in regional vertriebene Produkte wie den immunchemischen iFOBTest auf Hämoglobin im Stuhl, für die wir Distributionsverträge mit unseren Partnern haben. Wir sprechen hier von einem Wachstum von mehr als 25 Prozent. Parallel vermarkten wir noch mehrere andere Produktlinien in verschiedenen Unterbereichen, wie zum Beispiel unser Gerinnungs-Portfolio, die Laborautomatisierungslösung von GLP, unsere industrielle Flowzytometrie und ein paar andere, mit denen wir vor fünf bis sechs Jahren begonnen haben. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir ein stark spezialisiertes Unternehmen sind und kein Generalist. Unsere Stärken sind der klinische Nutzen, den unsere Lösungen bieten, und der Wert unserer klinischen Parameter, den wir weiter fördern und ausbauen müssen.

„Die Verknüpfung der Ergebnisse unserer Analysesysteme
mit künstlicher Intelligenz wird unsere Kunden bei der
Diagnose und Behandlung unterstützen.“

Alain Baverel, Chief Executive Officer Sysmex EMEA

Was benötigt Sysmex Europa Ihrer Meinung nach, um zukunftsfähig zu bleiben?

Wir müssen daran glauben, dass sich unsere Pläne und unsere hochfliegenden Träume mit dem Engagement aller verwirklichen lassen. Vor Kurzem haben wir das Arbeitsklima im Unternehmen untersucht, mit dem Ergebnis, dass mehr als 85 Prozent der Mitarbeiter sehr engagiert sind. Das bedeutet, dass die Menschen Sysmex vertrauen und an das Unternehmen glauben. Und ich kann garantieren, dass ich mein Bestes tun werde, um diese Einstellung zu erhalten und auszubauen. Wir haben einige Pläne wie etwa unsere Rahmenstrategie, die besagt, was wir tun müssen, um im Wettbewerb die Oberhand zu behalten. Wir müssen Risiken eingehen und uns jeden Tag bewusst sein, dass der eigentliche Wert unseres Unternehmens im Engagement unserer Mitarbeiter steckt. Sysmex hat in seiner 50-jährigen Geschichte – gerade feiern wir das Jubiläum – gezeigt, dass darin der „Sysmex Way“ zum Erfolg begründet ist.

Was steckt hinter der sogenannten EMEA 4.0-Strategie?

Die Sysmex EMEA 4.0-Strategie ist ein Paradigmenwechsel. Die offensichtlichen Veränderungen im klinischen Labor und im Gesundheitswesen werden sich mit der weiteren Konsolidierung, dem verschärften Wettbewerb und dem daraus resultierenden Kosten- und Preisdruck beschleunigen. Die traditionelle Diagnostik wird immer mehr zum Handel mit Massenware, bei der nur noch Preis zählt. Wir bei Sysmex setzen aber auf innovative Diagnose und klinischen Nutzen. Diese Technologien sind auf dem Vormarsch und werden die Nachfrage nach Produktivität, Effizienz und Wirksamkeit in unseren Gesundheitseinrichtungen ansprechen und auch ankurbeln. Deshalb musste Sysmex EMEA seine Strategie an diesen Wandel anpassen und darüber hinaus sogar mit dem Entwurf eines neuen Geschäftsmodells beginnen, das wir als „Clinical Selling“ bezeichnen. Unsere EMEA 4.0-Strategie ist somit unsere Antwort auf Veränderungen im Umfeld – wie etwa Technik, Struktur des Gesundheitswesens, Technologien, Wettbewerber – und innerhalb unserer Organisation – wie die Sättigung traditioneller Segmente, Größe und Komplexität der EMEA-Organisation, Management. Sie ist auch eine Leitlinie, um Einheitlichkeit bei unseren Entscheidungen über Produktportfolio, Ressourcenverteilung, Organisationsstruktur und Geschäftsstrategien zu gewährleisten. Und nicht zuletzt ist sie richtungsgebend für langfristige Veränderungen bei Sysmex EMEA.

Fakt ist, dass die IT-Giganten wie Google und Apple massiv in den Gesundheitsmarkt  investieren. Was denken Sie, wenn Sie das hören?

Apple, Google und Co. sind mehr und mehr präsent. Ich denke, diese Unternehmen sehen hier eine große Chance für ihre Softwarelösungen. Eines der Schlüsselwörter der Digitalisierung ist sicherlich künstliche Intelligenz. Ich sage nicht, dass künstliche Intelligenz alles ersetzen wird. Sie kennen sicherlich Watson, die IBM-Maschine, deren Algorithmus dafür benutzt wird, aus einer großen Anzahl von Patientendaten zuverlässige Diagnosen zu erstellen. Man verglich die Fähigkeit dieses Computersystems mit der Fähigkeit von Spezialisten und erkannte, dass die Software überlegen ist, schneller und genauer. Wir können also stark damit rechnen, dass künstliche Intelligenz in Zukunft
zunehmend verwendet wird. Und sie wird mit Sicherheit auch in die Produkte von Sysmex implementiert. Wie andere Unternehmen arbeiten auch wir an solchen Konzepten. Die Verknüpfung der Ergebnisse unserer Analysesysteme mit künstlicher Intelligenz wird unsere Kunden und Gesundheitsexperten bei der Diagnose und Behandlung etwa von Krebspatienten unterstützen. Aus dieser Analyse heraus werden wir definieren, welche Art von Behandlung und welche Medikamente empfohlen werden. Mit künstlicher Intelligenz erweitern wir demnach die „personalisierte Medizin“.

Alain Baverel

Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet der Franzose in der Medizintechnik, zehn Jahre davon als Präsident von Sysmex Frankreich. In dieser Zeit hat er seine Mitarbeiter zu unternehmerischem und kreativem Handeln ermutigt und ein Klima von Vertrauen, Transparenz und Zusammenarbeit geschaffen. Diese Werte wird er auch als CEO der EMEA-Region verfolgen

Welche Rolle werden mobile, miniaturisierte Geräte wie Wearables oder Fitness-Tracker spielen, die bereits heute in den Consumer-Märkten ein Milliardengeschäft ausmachen?

Die Point-of-Care-Diagnostik und der Wearable-Markt entwickeln sich derzeit stark. Das ist ein Trend, der in einigen Ländern wie Deutschland bereits umgesetzt ist. Sie können viele unserer kleinen Testgeräte wie den XP-300 in Arztpraxen finden. Bei Bedarf führen Ärzte direkt einen Bluttest durch, anhand dessen sie in kürzester Zeit die passende Medikation bestimmen können. Und das wird sich stark weiterentwickeln. Analysesysteme können auch direkt von den Patienten getragen werden. So können Diabetiker ihre Blutzuckerwerte sehr viel zuverlässiger und kontinuierlich selbst kontrollieren, um die benötigte Insulindosis zu ermitteln. Vielleicht werden wir in Zukunft noch mehr solcher Produkte in Betracht ziehen, die dem Patienten zusätzliche biologische Informationen liefern, damit er zum richtigen Zeitpunkt das richtige Medikament nimmt oder auch eine entsprechende Warnung erhält. Sie haben wahrscheinlich von Berichten aus den USA gehört, nach denen viele Patienten, die kurz vor einem Herzinfarkt standen, über Telefonanwendungen oder eine entsprechende App hätten diagnostiziert und entsprechend behandelt werden können. Das ist die Art von Lösungen, die in der Zukunft noch weiterentwickelt werden sollen. Das beginnt bei Point-of-Care und geht bis zu mobilen Geräten.

Welche Sysmex Entwicklung hat Sie zuletzt am meisten beeindruckt?

Was mich am meisten beeindruckt hat, ist unsere UN-Automationsserie zur Urinanalyse. In Frankreich stellten wir unsere Urinautomationslösung vor zwei Jahren zum ersten Mal auf dem Internationalen Biologentag in Paris vor, und diese Sysmex Systeme haben damals wirklich geschafft, was ich einen „Wow-Effekt“ beim Kunden nenne. In der Tat haben wir in der Urinanalyse einen neuen Ansatz auf den Markt gebracht, mit einem großen Nutzen für die Patienten und die Diagnostik. Für mich war das beeindruckend. Ich bin mir sicher, dass das noch eine sehr große Zukunft hat.

Was ist Ihre Vision für Sysmex Europe? Wo möchten Sie in fünf bis zehn Jahren sein?

Nun, das ist leicht zu beantworten. Meine Vision für Sysmex Europe ist, dass unser Unternehmen, wenn wir mal über die langfristige Vision bis 2025 sprechen, zu den Top 5 der In-vitro-Diagnostik-Unternehmen gehört. Heute sind wir die Nummer acht. Das erreichen wir allerdings nur durch nachhaltiges Wachstum, was bedeutet, dass wir unsere Präsenz erhöhen sowie unser Know-how und unsere Aktivitäten in passenden anderen Segmenten wie der klinischen Flowzytometrie und der Gerinnung ausweiten müssen. Der zweite Teil dieser Vision ist es, ein führendes Unternehmen in der personalisierten Diagnostik zu werden. Wir wollen dazu beitragen, Behandlungsmethoden zu optimieren und personalisierte Medizin anzubieten. Das ist die Vision, die ich unterstütze, weil sie im Einklang mit unserer Geschäftsausrichtung und den Möglichkeiten des heutigen Unternehmens steht.

Summary

  • Neben Hämatologie sind Urinanalytik und Onkologie wichtige Wachstumsfelder für Sysmex
  • Der Einsatz von künstlicher Intelligenz ermöglicht eine personalisierte Medizin
  • Die Bedeutung von POCT-Geräten und Wearables wird weiter steigen

 

Interview: Michael Hopp

Fotoquelle: Michale Rathmayr

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