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Die großen Probleme der Menschheit

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2018

Die Lebenserwartung steigt weltweit stetig an, obwohl noch immer viele Krankheiten das Leben der Menschen bedrohen. Elementarer Bestandteil der Gesundheit der Menschheit und Verlängerung der Lebenserwartung ist die präzise Diagnose und Erforschung von Krankheiten in Laboren

Das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) ist ein behülltes Virus der Familie der Retroviren. Kommt es zum Ausbruch, spricht man von Aids. Weltweit gibt es 36,7 Millionen HIV-positive Menschen

WIE ALT KANN DER MENSCH WERDEN? Und unter welchen Bedingungen? Die Lebenserwartung der Menschen steigt dank besserer Hygiene und Ernährung beinahe unablässig. Das Alter, das ein heute geborenes Kind erwarten darf, liegt weltweit durchschnittlich bei 71,4 Jahren – Anfang der 1990er-Jahre waren es noch 65,3 Jahre. Damals belasteten Geburtsprobleme, Infektionskrankheiten und Mangelernährung die Gesundheit der Menschen am stärksten.

Es gab schon immer Geißeln der Menschheit, die sich aber im Lauf der Zeit verändert haben. Was früher die Seuchen waren, sind heute ganz andere Krankheiten. Hauptrisiken, die inzwischen das Leben gefährden und zu einer sogenannten „vorzeitigen Sterblichkeit“ führen – davon spricht man in Mitteleuropa bei einem Tod unter 65 Jahren –, sind Krankheiten wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Sepsis. In der Therapie dieser Krankheiten spielt die Labormedizin eine zentrale Rolle. Die Liste der Erkrankungen, die ausschließlich mit Labordiagnostik erkennbar sind, wie Diabetes, Hepatitis oder HIV, ist noch länger.

Wer heute zur Welt kommt, kann in Europa damit rechnen, über 80 Jahre alt zu werden

„Labore leisten einen großen Beitrag, Keime und Erreger rechtzeitig zu erkennen und so deren Ausbreitung zu stoppen. Das Gleiche gilt für Autoimmunkrankheiten, Krebs, Stoffwechselstörungen oder andere, oft auch sehr seltene Erkrankungen – ohne Labore würde es der Menschheit sehr viel schlechter gehen“, sagt Prof. Dr. Jan Kramer, ärztlicher Leiter und Geschäftsführer des LADR Laborverbundes Dr. Kramer & Kollegen und Gründungs- und Vorstandsmitglied des Vereins Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM). Der ALM setzt sich dafür ein, das Ansehen der Labore zu stärken und ihre Relevanz im Gesundheitssystem hervorzuheben: „Rund 70 Prozent der klinischen
Diagnosen basieren auf Laborbefunden. Neben der klassischen Anamnese und körperlichen Untersuchung sowie den bildgebenden Verfahren ist die Labormedizin die dritte tragende Säule der Patientenversorgung“, sagt Kramer. Bei der Behandlung von komplexen Krankheitsbildern und zur Therapiebegleitung werden sogar noch mehr labormedizinische Befunde benötigt.

Die Mitgliedslabore des ALM betreiben deswegen eigenständige Forschungsprojekte, die den Nutzen der Labormedizin auf die Versorgung evaluieren. Koordiniert wird dies in der AG Versorgungsforschung in wissenschaftlicher Kooperation mit anderen Partnern wie dem anerkannten IGES Institut. Insbesondere im Bereich Infektionsscreening und Frühgeburtlichkeit konnten die positiven Beiträge der Labormedizin bereits eindeutig nachgewiesen werden. „Eine individualisierte und patientenorientierte Versorgung mit Labordiagnostik ist für die Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung unerlässlich“, heißt es in einer Stellungnahme mehrerer Berufsverbände über die persönliche Leistungserbringung von ärztlichen Laboratiumsleistungen in der amtlichen Gebührenverordnung für Ärzte. Die Labormedizin habe sich zu einem „Konditionalfach“ entwickelt, mithilfe dessen die medizinische Versorgung der Menschen erst ermöglicht werde.

Hintergrund

Geißeln der Menschheit: Woran wir leiden

KREBS

Im Jahre 2012 erkrankten weltweit rund
14,1 Millionen Menschen an einer der
vielen Krebsarten, acht Millionen Patienten
starben daran. Für 2035 wird mit einer
Steigerung auf 13 Millionen Krebstote
weltweit gerechnet. Die zielgerichtete
Krebstherapie ist weiterhin ein herausragendes
Forschungsthema. Vielfach gilt die P4-Medizin
(präventiv, personalisiert, präzise und
partizipativ) als Erfolg versprechende
Strategie der Zukunft gegen Krebs und
seine molekularbiologische Vielfalt.

MALARIA

Das „Sumpffieber“ wird durch verschiedene
Arten von Parasiten verursacht, die durch
Mücken übertragen werden. Rund
216 Millionen Ansteckungsfälle und
445.000 Tote wurden allein im Jahr 2016
verzeichnet. Der Schutz vor Mücken
(Expositionsprophylaxe) wird
durch Chemoprophylaxe unterstützt.
Ein 2017 Erfolgversprechend getesteter
Impfstoff befindet sich in der
klinischen Erprobung.

SEPSIS

Die „Blutvergiftung“ wird durch
Entzündungsreaktionen des Körpers
auf Bakterien ausgelöst. Die Zahl
der jährlich Betroffenen wird weltweit
zwischen 15 und gut 30 Millionen
Menschen geschätzt, von denen etwa
sechs Millionen sterben. In Deutschland
ist Sepsis die dritthäufigste
Todesursache. Die Sterblichkeitsrate
dieser Komplikationskrankheit kann durch
Verbesserung von Prävention, Diagnose und
Behandlung deutlich reduziert werden.

DIABETES

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechsel-
erkrankung mit Insulinresistenz oder
Insulinmangel und einem deutlich erhöhten
Risiko für schwere Begleit- und Folge-
erkrankungen. Die beiden Formen, Typ 1
und Typ 2, gehören zu den weltweit meist-
verbreiteten Krankheiten, rund 350 Millionen
Menschen leiden darunter. Das Risiko,
an Diabetes mellitus zu erkranken, hat
in den letzten drei Jahrzehnten stark
zugenommen.

So hat die hochinfektiöse Hepatitis C heute eine Heilungsprognose von mindestens 90 Prozent – sofern sie rechtzeitig diagnostiziert und therapiert werde. Stoffwechselerkrankungen und Hormonstörungen von Neugeborenen wie etwa Hypothyreose, ein Cofaktor-Mangel oder das Adrenogenitale Syndrom werden in den Neugeborenenscreenings aufgedeckt und behandelt, bevor bleibende Schäden entstehen.

Der Einsatz der Labordiagnostik wird dennoch sehr häufig gehemmt. So werde für viele Krankheiten viel zu selten auf Labortests zurückgegriffen, fanden Forscher am Zentrum für Evidenzbasierte Medizin der Universität Oxford heraus. Auf der Suche nach möglicher Über- und Unterdiagnostik unterzogen sie 63 Studien aus 15 Ländern – von den USA über Großbritannien bis nach Skandinavien – einer Metaanalyse. Dabei kam etwa heraus, dass Tests auf Hepatitis B, auf Neisseria gonorrhoeae oder Chlamydia trachomatis bei Verdacht auf Epididymitis zu selten angewendet werden würden.

Und auch tradierte Abrechnungsmodi behinderten den Einsatz innovativer Diagnostik, stellt der ALM fest. Die digitale PCR zum Beispiel, die geringste Mengen freier Tumor-DNA im Plasma nachweisen kann, sei für Patienten im ambulanten Bereich zumindest in Deutschland nicht abrechnungsfähig. Ebenso ein Test zur Unterscheidung aktiver oder latenter Tuberkulose, mithilfe dessen bei sofortiger Erkennung der aktiven Form eine effiziente Therapie eingeleitet und die Organisation der Abläufe im stationären Bereich entlastet würde. „Gerade bei innovativer Diagnostik und neuen, von der jüngsten Forschung in die Routinediagnostik überführten Analyten ist es
wichtig, dass diese Eingang in die bestehenden Vergütungsmodelle in unserem Gesundheitswesen finden“, bekräftigt auch Dr. Andreas Weimann vom ALM.

Inwieweit die Lebenserwartung in Anbetracht der Ambitionen im Kampf gegen die Geißeln der Menschheit noch zu steigern ist, untersuchten Wissenschaftler von der Universität Bar Ilan in Ramat Gan in Tel Aviv. „Während früher 70 Prozent der Menschen an Infektionen starben, sterben heute 70 Prozent der Menschen an Alterskrankheiten“, sagt Prof. Chaim Cohen. Er hat in einer Studie herausgefunden, dass das Alter des Menschen theoretisch gar nicht begrenzt sein muss. Die Chance, dass aus den 71,4 durchschnittlichen Lebensjahren bald 120 werden, ist groß, wenn die Bedingungen es erlauben. Ziel sei, die gesunde Lebenszeit zu verlängern: „Je älter die Menschen werden, desto mehr Krankheiten tauchen auf.“ Ganz klar: eine Aufgabe für Labore.

Summary

  • 70 Prozent aller Diagnosen beruhen auf der Analyse in Laboren und sind damit ein wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung.
  • Unwissenheit über die Möglichkeiten sowie tradierte Abrechnungsmodi hemmen die Arbeit der Labore.

Text Nils Schiffhauer

Fotoquelle: Sysmex, Pixologicstudio

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