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Zeitreise in die Zukunft

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2017 

1968 in Japan gegründet, vertreibt Sysmex seine Produkte heute in mehr als 190 Ländern. Vier Entscheider sprechen über Anfänge, Unternehmenswerte und Megatrends

Zum Gespräch in Hamburg: Sysmex-Geschäftsführer Oliver Herrmann, Dr. Ulrike Blaseio, Hans Hassenpflug und Hitado-Geschäftsführer André Michel (zweiter von links)

XTRA: Herr Hassenpflug, an vielen Entwicklungsschritten von Sysmex waren Sie beteiligt. Welche sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Hans Hassenpflug: Ich arbeite seit 1988 in Deutschland für Sysmex, damals hieß es noch TOA Medical Electronics und war völlig unbekannt. Es gab noch keine 5-fach-Diff erenzierung, und im 3-fach-Differenzierungs-Bereich hatten wir einen minimalen Marktanteil. Mit der Entwicklung der 5-fach-Differenzierung haben wir uns später einen Marktanteil von 70 Prozent erarbeiten können. Technologie stand damals immer im Vordergrund.

Können Sie dafür weitere Beispiele nennen?

Hassenpflug: Als wir begonnen haben, gab es HB-Messung mit cyanidhaltigen Reagenzien. Das war Standard und so festgeschrieben in einer DINNorm. Sysmex hat das Cyanid aus dem Prozess entfernt und mit Sodium Laureth Sulfate eine eigene Methode entwickelt. Ein anderes Beispiel: Die Fluoreszenz-Flowzytometrie war damals noch nicht möglich. Man hätte mit Neon-Argon-Lasern  arbeiten müssen, die aber riesig waren, nur ein Jahr hielten und sich nicht für den Routinebetrieb eigneten.
Der Technologieschritt zum Diodenlaser ist von Sysmex gemacht worden.

Herr Herrmann und Frau Dr. Blaseio:  Was hat Sie an den europäischen Anfängen besonders beeindruckt?

Oliver Herrmann: Retikulozyten-Messung, Automation, cyanidfreie HB-Reagenzien – Themen, die Sysmex von der ersten Stunde an geprägt hat, und die sich bis heute durchziehen. Sysmex hat schon immer Akzente gesetzt in der Hämatologie.

Dr. Ulrike Blaseio: Als ich 1997 zu Sysmex kam, war das Unternehmen bereits auf dem Weg zur Marktführerschaft in der Hämatologie. 1995 hat Sysmex konsequent die gleiche Technologie, die Fluoreszenzdurchflusszytometrie, auf die Urinanalytik angewendet. Das war neu und brachte eine ganz andere Ergebnisqualität ins Labor. Dieser Ansatz ist bis heute einzigartig in der Urinanalytik. Im Bereich Life Science ist unser Verfahren OSNA® hervorzuheben, mit dem intraoperativ Metastasen im gesamten Wächterlymphknoten bei Brustkrebspatientinnen detektiert werden und ihnen so eine zweite Operation erspart.

Oliver Herrmann
Der gebürtige Freiburger hat seit 1993 zunächst in Nordrhein-Westfalen im Vertrieb gearbeitet und ist 2009 in die Geschäftsführung von Sysmex Suisse AG gewechselt. Seit April 2017 ist der Diplom-Ingenieur für Chemie zusätzlich Geschäftsführer der Sysmex Deutschland GmbH

 

 

 

„Unsere Innovationskraft entsteht aus der Zufriedenheit der Mitarbeiter. Spaß ist der Grundmotor des Erfolgs“

Oliver Herrmann

Herr Michel, wie hat sich Hitado währenddessen entwickelt und auch innerhalb von Sysmex positionieren können?

André Michel: Hitado wurde vor über 40 Jahren als typischer Labordiagnostikfachhändler gegründet. Wir hatten unseren Schwerpunkt im Krankenhausbereich. In den letzten 20 Jahren hat sich der Krankenhausmarkt stark verändert, zuletzt mit der Umstellung der Abrechnung auf DRGs. Für uns bedeutete das, einen neuen Ansatz zu suchen, und so haben wir uns mit den niedergelassenen Ärzten eine neue Zielgruppe erschlossen. Das Potenzial ist enorm: 120.000 niedergelassene Ärzte in 80.000 Praxen. Mit Sysmex im Rücken können wir diese Herausforderung schaff en. Seit der Übernahme in 2010 konnten wir unseren Umsatz mit steigender Mitarbeiterzahl mehr als verdoppeln.

Sie alle sind weit gereist, haben in vielen Ländern für das Unternehmen gearbeitet und  unterschiedliche Kulturen kennengelernt. Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Hassenpflug: Der Austausch mit Japan war von Beginn an spannend. Ab 2000 war ich außerdem in Singapur für Teile der Asia-Pacifi c-Region verantwortlich – eine große Herausforderung. Ich kam aus einem mittlerweile hochtechnisierten Land, und hier standen noch die kleinen Geräte zur 3-fach-Diff erenzierung im Vordergrund. Es war eine tolle Zeit, weil die Kunden ein extremes Interesse daran hatten, die neuen Technologien und Möglichkeiten erklärt zu bekommen. Ich habe gelernt, wie gut es in Europa um das Gesundheitswesen steht.

Herrmann: Mich hat weniger das ferne Ausland als vielmehr die Schweiz geprägt: 26 Kantone, vier Sprachen, unterschiedliche Mentalitäten – das war nicht immer einfach. Weil ich von Haus aus ein Schwarzwälder bin, fühlte ich mich mit der Schweiz verbunden und habe nicht lange überlegt, die Schweizer Geschäftsführung 2009 zu übernehmen. 2013 wurde ich gebeten, Russland mitzuverantworten. Und so habe ich mich voller Motivation und Neugier nach Russland aufgemacht und das Land kennenlernen dürfen. Diese Konstellation war außerordentlich spannend, aber auch herausfordernd: auf der einen Seite die Verwurzelung in der Schweiz, auf der anderen Seite der ständige Kontakt mit Deutschland und zusätzlich der russische Markt als neuartiges Terrain.

Dr. Blaseio: Sysmex ist ein Unternehmen, das sich schnell verändert. Dass das Unternehmen den Mitarbeitern immer wieder neue Themenbereiche und Chancen eröff net, ist ein Grund für unsere gute Mitarbeiterbindung. Auch ich habe viele unterschiedliche kulturelle Erfahrungen sammeln dürfen. Zuallererst in Japan, während meiner Schnittstellenaufgabe zwischen den europäischen Händlern und unserem japanischen Mutterhaus; die japanische Mentalität ist anders. Vieles in der Kommunikation verläuft indirekt. Man muss nicht alles so deutlich aussprechen und trotzdem versteht der Gesprächspartner, was gemeint ist. Spannend war auch die Zeit während des Aufbaus der Life Science-Produktlinie, wofür ich in ganz Europa unterwegs war und feststellte: Jedes Land ist anders.

André Michel
Seit 2005 ist der Wirtschaftswissenschaftler für das Unternehmen Hitado am Möhnesee in Nordrhein- Westfalen tätig, zunächst als Assistent der Geschäftsleitung und seit 2012 als Geschäftsführer

 

 

 

 

 

 

„Wer am Markt präsent sein möchte, muss die Zukunft im Blick haben“

André Michel

„Shaping the advancement of healthcare“ lautet das Leitbild der Firma. Was steckt dahinter?

Dr. Blaseio: Wir haben unseren Slogan bewusst so gewählt und nicht etwa „Shaping the advancement of diagnostic technology“. Healthcare gefällt mir wesentlich besser, denn in Healthcare steckt das Wort „Care“. Das ist die wichtige Aussage: Wir wollen uns kümmern, Verantwortung übernehmen – nicht nur für die Technik, nicht nur für die Diagnostik, sondern letztlich für das Wohl des Patienten.

Hassenpflug: Obwohl wir diese Grundsätze erst vor wenigen Jahren formuliert haben, zählten sie schon von Beginn an. Wir haben schon immer den Anspruch gehabt, etwas zu produzieren, das sehr zuverlässig ist, und gleichzeitig den Blick darauf zu haben, es ständig weiterzuentwickeln.

Herrmann: Das Spannende bei Sysmex ist der globale Anspruch, der sich in den Regionen, Affiliates und Tochterunternehmen wiederfindet. Uns wird das Vertrauen entgegengebracht, mit dem internationalen Leitbild im Rücken auf regionalen Ebenen unsere Wege zu gehen.

Welche Rolle wird die Point-of-Care-Diagnostik in diesem Zusammenhang spielen?

Herrmann: Point-of-Care wird scheinbar immer wichtiger auf dem Markt. Sowohl im Krankenhaus als auch bei den niedergelassenen Ärzten, wobei wir signifikante Unterschiede in den gesundheitspolitischen Systemen haben. Auf POCT nehmen zwei Megatrends unserer Zeit Einfluss: Big Data und Digitalisierung. Jeder Zweite trägt heutzutage einen Fitness-Tracker und bekommt Hinweise, was man anders oder besser machen soll. Aber auch Digitalisierung wird immer wichtiger, die Praxen sind zunehmend vernetzt und können den Ansprüchen der modernen Medizin nur so entsprechen. POCT geht diesen Weg bereits.

Michel: Wenn man langfristig am Markt präsent sein möchte, muss man die Zukunft im Blick haben. Man muss Visionen haben. Wie werden niedergelassene Ärzte zukünftig kommunizieren? Es ist wichtig, nicht nur auf den Status Quo zu schauen, sondern heute zu investieren, um in der Zukunft bedarfsgerechte Lösungen anbieten zu können.

Hans Hassenpflug
Der Medizintechnik-Ingenieur arbeitet seit 1988 für Sysmex und war nach Stationen in Asien und Afrika zuletzt für Deutschland als Geschäftsführer tätig. Seit April verantwortet der in Namibia Geborene die
Weiterentwicklung des südafrikanischen Standorts

 

 

„Wir hören, was der Kunde möchte. Er steht im Mittelpunkt“

Hans Hassenpflug

Die Medizin durchlebt mit den großen Megatrends immense Umbrüche. Inwieweit sehen Sie das Unternehmen als Teil dieser Transformation?

Michel: Im Rahmen der Digitalisierung wird die Diagnosekette nicht länger beim Arzt aufhören, sondern automatisch bis zum Patienten gehen. Hometests können aber niemals ein Arzt-Patienten-Gespräch ersetzen.
Herrmann: Wichtig ist die differenzierte Auseinandersetzung mit den Themen. Sysmex unterstützt nicht alles, was theoretisch geht. Man muss genau hinterfragen, wo etwas Sinn macht – und wo  nicht.
Dr. Blaseio: Ich denke, es gibt viele Bereiche, in denen Sysmex schon heute sehr gut aufgestellt ist, und weitere, die wir aktuell entwickeln. Ein Beispiel ist die Diagnostik für eine personalisierte Therapie, wo Sysmex vor zwei Jahren eine bedeutende Akquisition getätigt hat. Ein anderer Bereich ist die Digitalisierung. Anfangs propagierte man dabei Expertensysteme, von denen man dachte, sie könnten Diagnosen besser als Menschen erstellen. Aber diese Systeme sind immer nur so schlau wie die Algorithmen, die man ihnen beigebracht hat. Wir konzentrieren uns heute auf pragmatische Digitalisierungsansätze. So können wir schon jetzt, das Einverständnis der Kunden vorausgesetzt, über Fernzugang technische Daten der Geräte sehen und überwachen und damit schneller und zielgerichteter reagieren.

Dr. Ulrike Blaseio
Die promovierte Biologin arbeitet seit 20 Jahren für Sysmex, zunächst in Hamburg als Direktorin der Sysmex Europe GmbH. Seit 2009 ist sie Geschäftsführerin der Sysmex Austria GmbH

 

 

 

 

 

 

„Wir übernehmen Verantwortung – nicht nur für die Technik, sondern für den Patienten“

Dr. Ulrike Blaseio

Das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ hat die Innovationskraft von Sysmex hervorgehoben. Wie sichern Sie diese für die Zukunft?

Michel: Mit der Stärkung des POCT-Bereichs wird das Unternehmen in vielen Punkten den Ansprüchen des Marktes und den Bedürfnissen der Kunden gerecht. Indem wir auf Produkte setzen und sie konstant weiterentwickeln, die auf sehr hohem technischen Niveau den Menschen die Arbeit erleichtern, Prozesse beschleunigen und am Ende sogar Kosten sparen, können wir Kunden außerdem noch überraschen.
Hassenpflug: Wir hören vor allem, was der Kunde möchte. Der Kunde steht im Mittelpunkt. Zuhören und dann entsprechend Produkte liefern zu können, die der Kunde braucht – das ist immer eine Stärke von Sysmex gewesen.
Herrmann: Unsere Innovationskraft entsteht auch aus der Zufriedenheit der Mitarbeiter. Spaß ist der Grundmotor des Erfolgs. Aus Spaß folgt Motivation, aus Motivation folgt Loyalität. Loyalität zum Kunden, Loyalität zum Unternehmen. Das sind neben hoher Technologie und Innovationsarbeit auf der Produktseite die entscheidenden Punkte, die Sysmex ausmachen.

Interview Michael Hopp, Stephan Wilk

Fotoquelle: Michael Rathmayr

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