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IPF und IPF# - Anteil und Konzentration der unreifen Thrombozytenfraktion

Die unreife Thrombozytenfraktion ist ein neuartiger Parameter, der junge und reaktionsfähigere Thrombozyten im peripheren Blut misst. Hämatologiesysteme der XN-Serie, die mit einem PLT-F-Kanal ausgestattet sind, bieten zwei diagnostische Parameter:

  • IPF% - Anteil unreifer Thrombozyten in Bezug auf die Thrombozytenzahl
  • IPF# - Konzentration unreifer Thrombozyten

 

Der Parameter IPF (IPF%) hat einen hohen klinischen Nutzen in der Differentialdiagnose von Thrombozytopenien. Er kann helfen zwischen einem Knochenmarkversagen und einem gesteigerten Thrombozytenabbau zu unterscheiden. So können möglicherweise unnötige Knochenmarkpunktionen eingespart werden.


IPF# ist ein wertvoller Parameter für die Risikoprognose und Therapieüberwachung bei koronarer Herzkrankheit, bei der die Hemmung der Thrombozytenaggregation häufig als Behandlung eingesetzt wird. Unreife Thrombozyten sind resistenter gegen Aggregationshemmung mit Aspirin und P2Y12-Rezeptor-Antagonisten. Die Konzentration unreifer Thrombozyten (IPF#) als „Maß“ für verbleibende Plättchen-Reaktivität kann als prognostischer Marker für den Therapieverlauf genutzt werden und dabei helfen das Risiko zukünftiger kardiovaskulärer thrombotischer Ereignisse abzuschätzen.

Differenzialdiagnose der Thrombozytopenie

Eine Thrombozytopenie kann prinzipiell auf einer verminderten Produktion oder auf einem erhöhten Verbrauch der Thrombozyten beruhen.

Eine verminderte Produktion beruht in den meisten Fällen auf einer Insuffizienz des Knochenmarks, zum Beispiel nach einer Chemotherapie, infolge unerwünschter Medikamentennebenwirkungen oder nach einer Strahlentherapie. In diesen Fällen ist die %IPF nicht erhöht.

Einen erhöhten Verbrauch der Thrombozyten und damit eine erhöhte %IPF, beobachtet man zum Beispiel im Gefolge von Blutungen, bei sogenannten thrombotischen Mikroangiopathien (HUS, TTP) und bei der Autoimmunthrombozytopenischen Purpura (AITP, ITP).

Als Faustregel kann daher gelten:

Knochenmarkversagen:    unreife Thrombozyten nicht erhöht
Gesteigerter Thrombozytenverbrauch:   unreife Thrombozyten erhöht

Beobachtungen deuten zudem auf einen klinischen Nutzen des Parameters bei der Verlaufs- und Erfolgskontrolle nach Chemotherapie und hämatopoetischer Stammzellen-/Knochenmarkstransplantation hin. Ein Anstieg der %IPF kann daraufhin auf eine angehende Erholung des Knochenmarks hinweisen. Möglicherweise lassen sich damit zukünftig teure Thrombozytenkonzentrate einsparen.

Thrombotische Mikroangiopathien

Die thrombotischen Mikroangiopathien umfassen eine Reihe von Krankheiten, bei denen aus
ganz verschiedenen Gründen die Thrombozyten an der Gefäßwand der kleinen Blutgefäße
hängenbleiben, mit anderen Thrombozyten einen Thrombus bilden und in der Folge diese
Gefäße verstopfen. Beispiele sind die Thrombotisch Thrombozytopenische Purpura (TTP,
Moschcowitz-Syndrom) und das Hämolytisch Urämische Syndrom (HUS).
Bei der Autoimmunthrombozytopenischen Purpura (AITP, ITP) produziert das Immunsystem
Autoantikörper gegen die Thrombozyten, was dazu führt, dass diese von den Makrophagen
aufgenommen und vernichtet werden.
Bei der TTP und bei der AITP produzieren die Megakaryozyten im Knochenmark kompensatorisch
vermehrt unreife Thrombozyten. Die vermehrte Aktivität der Megakaryozyten lässt sich sonst nur durch eine Knochenmarkspunktion feststellen. Auch bei der disseminierten intravasalen Gerinnung (DIC) wird in etlichen Fällen ein erhöhtes IPF beobachtet.

Xtra-Artikel zum IPF-Parameter

Die Informationen aus dem PLT-F-Kanal der XN-Serie liefern wichtige Hilfestellungen bei der Suche nach der richtigen Diagnose. Bei einer seltenen Erkrankung können sie zum Beispiel Kindern eine schmerzhafte Knochenmarkpunktion ersparen. Doch es ergeben sich auch weitere Einsatzfelder für Kliniker.

Zum Artikel der Xtra-Ausgabe 1/2018: Artikel

Zählung der unreifen
Granulozyten (IG)

Kernhaltige Erythrozyten-
Vorstufen (NRBC)

Retikulozyten-Hämoglobin-
Äquivalent (RET-He)

Kleines Blutbild

Großes Blutbild

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