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Das grosse Blutbild

Beim sogenannten „großen Blutbild“ werden die verschiedenen Leukozyten-Typen noch zusätzlich untersucht. Alle 5-part-Diff-Hämatologiesysteme erstellen ein Verteilungsmuster der fünf Untergruppen der weißen Blutzellen. Das pathologische Vorkommen von unreifen oder anormalen Leukozyten muss dabei erkannt werden. Während in der Vergangenheit noch jede einzelne auffällige automatische Differenzierung eine mikroskopische Nachbeurteilung verlangte, können heute mit modernen Sysmex Hämatologiesystemen je nach den Laborkriterien Ausstriche eingespart werden, da das System die Zählung einer „pathologischen“ Zellgruppe ermöglicht.

Weisse Blutzellen (Leukozyten)

Leukozyten sind Blutzellen, die in mehrere Subpopulationen unterteilt sind, welche von unterschiedlichen Vorläuferzellen abstammen. Obgleich die spezifische Funktion der verschiedenen Leukozytensubtypen stark variiert, sind alle Leukozyten grundsätzlich für die Abwehr von Krankheitserregern und körperfremden Strukturen im weitesten Sinne verantwortlich. Myeloische Leukozyten werden im Knochenmark aus myeloischen Stammzellen gebildet (Myelopoese). Die Lymphopoese findet dagegen nicht im Knochenmark statt, sondern in den primären und sekundären lymphatischen Organen.

Die Leukozytenzahl im Blut eines gesunden Erwachsenen variiert zwischen etwa 4-12 × 106 Zellen/µl. Dabei machen die Lymphozyten und neutrophilen Granulozyten den größten Anteil aus. Eosinophile, Basophile und Monozyten finden sich bei gesunden Menschen in geringerer Anzahl. Die Absolutzahl der Leukozytenklassen im peripheren Blut ist von klinischer Signifikanz und hat eine höhere Aussagekraft als die Leukozytenkonzentration in Prozent. Für weitere Informationen lesen Sie hier auch unser Themenblatt „Verwendung von Absolutzahlen in der Hämatologie“.
Pathologische Befunde der Leukozyten myeloischer oder lymphoider Abstammung können das Resultat sowohl reaktiver als auch nicht reaktiver (maligner) Erkrankungen sein. Reaktive Veränderungen werden im Verlauf infektiöser oder entzündlicher Erkrankungen beobachtet, während maligne Veränderungen auf eine Leukämie, Lymphome oder andere hämatologische Malignitäten hindeuten.

Um im Zusammenhang mit den Leukozyten zwischen den unterschiedlichen Erkrankungen zu unterscheiden, müssen Leukozytenzahl, Subpopulationen und Reifegrad bestimmt werden. Die automatische Analyse hämatologischer Parameter ist eine lebenswichtige Komponente in der Analytik und erleichtert die Identifikation einer vorliegenden Erkrankung durch präzise Zellzählung und Hervorhebung verdächtiger Zellpopulationen. Bei Krankheiten im Zusammenhang mit Leukozyten ist die richtige Diagnose eine komplexe Herausforderung. Hierfür sind alle Informationen des kleinen Blutbilds plus Differenzialblutbild, eine morphologische Untersuchung und Immunphänotypisierung sowie weitere Tests erforderlich.

Neutrophile Granulozyten

Die neutrophilen Granulozyten sind durch Granula im Zytoplasma gekennzeichnet. Sie spielen eine wichtige Rolle in der Immunabwehr und sind die ersten Immunzellen, die im Fall einer Infektion an den Ort des Geschehens gelangen, in der Regel innerhalb einer Stunde. Diese zielgerichtete Zellbeweglichkeit wird als Chemotaxis bezeichnet. Neutrophile können Krankheitserreger und andere körperfremde Zellen, wie z. B. Bakterien, aufnehmen und verdauen (phagozytieren), überleben diesen Prozess jedoch nicht. Eiter besteht im Wesentlichen aus abgestorbenen Neutrophilen und verdauten Bakterien.

Absolute und relative Neutrophilenzahl können Informationen zur Diagnose und zum Verlauf von Infektionen liefern und sind wichtige Parameter, die z. B auch während einer Chemotherapie berücksichtigt werden. Eine erhöhte Neutrophilenzahl ist jedoch auch in nicht pathologischen Situationen möglich, z. B. bei Stress oder bei Rauchern.

Lymphozyten

Lymphozyten erkennen und entfernen körperfremde Zellen und schützen den Organismus so vor Infektionen. Moleküle, die vom Körper als Fremdstoffe erkannt werden, werden als Antigene bezeichnet. Jeder Lymphozyt wird durch ein spezifisches Antigen stimuliert. Wenn ein Lymphozyt dieses Antigen erkennt, setzt er chemische Stoffe frei, um es zu bekämpfen.

Man unterscheidet zwischen drei funktional unterschiedlichen Typen reifer Lymphozyten: B-Lymphozyten, T-Lymphozyten und NK-Zellen (engl.: natural killer cells). Obgleich alle Lymphozyten gegenüber den anderen Leukozyten klein und rund erscheinen und keine Granula haben, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Subtypen und die morphologische Unterscheidung ist schwierig.

Zu den Ursachen einer erhöhten Lymphozytenzahl gehören Infektionen oder entzündliche Erkrankungen sowie bestimmte Malignitäten, insbesondere hämatologische Malignitäten. Die Sysmex Analysengeräte geben die absoluten und relativen Lymphozytenzahlen an. Verdächtige Lymphozyten, die gegebenenfalls einer weiteren Abklärung bedürfen, werden durch Flags gekennzeichnet.

Monozyten

Monozyten spielen eine Schlüsselrolle im körpereigenen Immunsystem. Sie wandern schnell zum Ort der Infektion und differenzieren sich während der Einwanderung in das Gewebe in Makrophagen und dendritische Zellen, um eine Immunreaktion hervorzurufen. Zellen des Monozyten-Makrophagen-Systems können körperfremde Strukturen interzellulär aufnehmen und zerstören. Dadurch sind Monozyten zur Antigenpräsentation befähigt und initiieren auf diese Weise die erworbene Immunabwehr. 

Die automatische Monozytenbestimmung erfolgt durch Absolutzählung oder Berechnung der Ratio Monozyten zu Gesamtleukozytenzahl. Eine erhöhte Monozytenzahl kann Indikator für verschiedene Erkrankungen sein, z. B. chronisch-entzündliche Erkrankungen oder Infektionen, kann aber auch bei malignen Erkrankungen wie der chronischen myelomonozytischen Leukämie (CMML) auftreten.


Die Zählwerte der automatisierten Bestimmung sind meist etwas höher als in vielen älteren Studien zu Referenzwerten in der Hämatologie. Warum das so ist, erfahren Sie in unserem Themenblatt „Monozytenzählung – manuelle und automatische Zählmethoden im Vergleich“.

Eosinohile

Wie die Neutrophilen zählen auch die Eosinophilen zu den Granulozyten, da sie Granula enthalten, die wiederum verschiedene Enzyme beinhalten. Auch Eosinophile sind zur Chemotaxis und Phagozytose befähigt. Eosinophile töten Parasiten ab, indem sie den zytotoxischen Inhalt der Granula auf der Oberfläche des Parasiten freisetzen. Sie können den Körper jedoch durch Überempfindlichkeitsreaktionen auch schädigen. Eine erhöhte Eosinophilenzahl lässt meist auf Parasitenbefall oder allergische Reaktion schließen. Eosinophile können auch Indikatoren für maligne Erkrankungen sein, z. B. einige Neoplasietypen.

Basophile

Basophile Granulozyten sind die Leukozytenpopulation mit dem geringsten Anteil im peripheren Blut. Ähnlich wie bei den Eosinophilen ist eine erhöhte Basophilenzahl häufig, jedoch nicht immer, Indikator für eine allergische Reaktion oder Parasitenbefall. Wie die Mastzellen zählen die Basophilen zu den Effektorzellen, welche Aufgaben im Rahmen der Immunantwort, z. B. bei der Chemotaxis oder Zelladhäsion, übernehmen. Sie erfüllen eine immunmodulierende Funktion bei allergischen Reaktionen.

Stabkernige Granulozyten

Stabkernige Leukozyten sind die vorletzte Reifungsstufe der Granulopoese. Sie zeichnen sich durch einen Stabkernigen, noch nicht endgültig segmentierten Kern aus. Die klinische Bedeutung Stabkerniger im peripheren Blut von Erwachsenen ist umstritten. Stäbe können sowohl durch physiologische Faktoren (körperliche Anstrengung, Stress) als auch reaktive Faktoren (Infektionen, Medikamente, Rauchen) aus den Knochenmark-Reservepools ausgeschüttet werden und weisen nicht unbedingt auf ein pathologisches Geschehen hin. Hinzu kommt, dass die manuelle Differenzierung einen enormen Variationskoeffizienten aufweist. In unserem Themenblatt „Stabkernige Granulozyten – ein Parameter mit klinischer Relevanz“ finden Sie weitere Informationen hierzu.

Retikulozyten

Retikulozyten, besonders junge Erythrozyten die noch wenige Reste an Nukleinsäure aufweisen und frisch aus dem Knochenmark kommen, werden oft parallel zum großen Blutbild gemessen. Während man bis vor 10 Jahren noch sehr häufig die manuelle Methode nutzte, ist diese heutzutage fast komplett durch die automatisierte Messung ersetzt. Durch den Einsatz der Fluoreszenztechnologie können Retikulozyten mit modernen Analysegeräten selbst in hohen oder extrem niedrigen Konzentrationen präzise und reproduzierbare Ergebnisse liefern. Darüber hinaus liefert die automatisierte Messung zusätzliche Retikulozytenparameter, die bei der Diagnostik und dem Therapiemonitoring von Anämien besonders hilfreich sind.

Viele weitere Informationen bekommen Sie im Themenblatt „Der Retikulozyt und seine Bedeutung“.

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