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MRSA-Analyse ohne Umwege

Im Interview berichtet Laborleiterin Heike Hansen aus ihrem Alltag und von ihren Erfahrungen mit dem Real-Time-PCR-System geneLEAD VIII 

Oft werden Krankenhausinfektionen durch MRSA verursacht – resistente Staphylokokken, die mit gängigen Antibiotika kaum behandelbar sind. 

Schwere Verläufe enden daher häufiger tödlich, zugleich entstehen hohe Kosten durch Isolation und strenge Hygienemaßnahmen. 

Die Klinikum Nordfriesland gGmbH nutzt zur modernen Infektionsdiagnostik das Real-Time-PCR-System geneLEAD VIII 

Interview 
Dr. Jendrik Marbach und Andreas Waitz

Fotos  
Lisa Notzke  

Frau Hansen, was ist das Besondere an dem Kliniklabor, das Sie leiten?

Zu der Klinikum Nordfriesland gGmbH gehören neben unserer Klinik hier in Husum die Kliniken Niebüll und Wyk auf Föhr. Unser Labor in Husum ist rund um die Uhr geöffnet und fungiert als „zentrales“ Labor für alle Häuser und für kooperierende Praxen. Im Kern sind wir jedoch ein Kliniklabor. 

Warum ist eine zeitnahe Erregeranalytik so wichtig?

Eine schnelle Infektionsdiagnostik ist seit der Pandemie noch wichtiger geworden, da sie maßgeblich über den Behandlungserfolg, die Patientensicherheit und die Eindämmung von Infektionsausbrüchen entscheidet. Eine schnelle Identifizierung ermöglicht es, infizierte Patienten im Krankenhaus zeitnah zu isolieren, um die Ausbreitung von multiresistenten Keimen, darunter MRSA, oder viralen Atemwegsinfektionen zu verhindern. Zudem hat es natürlich auch einen wirtschaftlichen Aspekt: Eine Isolation von Patienten verursacht einen hohen Aufwand und hohe Kosten. Unser erstes kassettenbasiertes PCR-System hatte jedoch im Gegensatz zum geneLEAD VIII nur geringe Kapazitäten, nämlich nur vier Slots, und war kostspieliger. 

Sie haben sich daher für geneLEAD entschieden.

Genau, das Preis-Leistungs-Verhältnis hat überzeugt, und so haben wir zwei geneLEAD VIII Systeme für Husum angeschafft. Niebüll und Wyk setzen weiter auf den PCR-Kassetten-Vollautomaten. Das passt dort gut, weil das Probenaufkommen geringer ist. Perspektivisch wollen wir erreichen, dass auch Niebüll zu uns einsendet. Insgesamt testen wir an allen Standorten mit den jeweiligen Systemen auf Covid, Influenza und MRSA. Nachts nutzen wir auch weiterhin das Kassetten-Analysesystem. Das ist auf die Schnelle, wenn wenig Personal vor Ort ist, eine gute Lösung, weil der geneLEAD VIII kein Voll-, sondern ein Halbautomat ist.

Wird das MRSA-Screening bei Ihnen routinemäßig mittels PCR durchgeführt?

Nein. Wir haben unser Screening angepasst und es werden jetzt zum Beispiel Hochrisikopatienten, die sofort eine Intervention brauchen, mit einer PCR getestet. Wir halten uns dabei an die Screeningvorgaben vom Robert-Koch-Institut. Liegt ein normales Risiko vor, wählen wir den Goldstandard, setzen also eine mikrobiologische Kultur auf. Wenn Personen zum Beispiel noch ein paar Tage Zeit haben, bevor ihre OP dran ist, dann testen wir mit Kultur. Das hat die Hygieneabteilung jetzt neu festgelegt.  

Und wir führen regelmäßige hausinterne Analysen durch, die darüber entscheiden, bei welchem Risikoprofil ein PCR-Test zur Vorselektion eines MRSA-Nachweises sinnvoll ist. 

 

Welche Vorteile haben PCR und Kultur?

Die PCR weist das Bakterium sehr schnell nach, sagt aber nichts über die Infektiosität aus. Diese lässt sich nur in der mikrobiologischen Kultur beurteilen. Deshalb wird jede positive PCR im Nachhinein noch mal per Kultur bestätigt. Der Vorteil der PCR liegt in ihrem schnellen Ausschluss: Ein negatives Ergebnis ist sehr zuverlässig und zudem eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Frage nach einer Isolation der Patienten. 

 

Sind weitere PCR-Testungen auf Infektionen in Planung?

Da jetzt weniger Covid-Tests nötig sind, haben wir freie Kapazitäten, und unsere Ärzteschaft und die Hygieneabteilung wünschen sich nun einen Noro virus-PCR-Test. Wir werden also das Gastro-Panel für den geneLEAD VIII implementieren. Der ärztliche Dienst hat sich außerdem einen Clostridioides-dificile-PCR-Test gewünscht, da bei einer Infektion die Gabe eines zweiten Antibiotikums notwendig wird. Keine zwei bis drei Tage auf das Laborergebnis warten zu müssen, sondern direkt zielgerichtet zu therapieren, bringt klare Vorteile.

Wer mit einem Virus in!ziert ist, muss isoliert werden, oder?

Ja, generell isolieren wir bei Durchfall – allein vom klinischen Bild. Im Fall von Covid, Influenza und RSV entscheidet das PCR-Ergebnis über die Notwendigkeit einer Isolationsmaßnahme. Wird in der PCR das Norovirus nachgewiesen, dann ist der Symptomverlauf maßgeblich für Isolationsbeginn und -ende. Zudem verursacht ein Isolierzimmer enorme Kosten, deswegen testen wir auch auf Influenza mit PCR. Denn wenn wir beispielsweise zehn Influenzapatienten haben, dann sind zehn Mehrbettzimmer gesperrt. Wir wissen aber, dass mehrere Personen mit beispielsweise einer Influenza-A-Infektion theoretisch gemeinsam in einem Raum sein können. Wir dürfen natürlich nicht Influenza A mit Influenza B zusammenlegen.

Wird nur bei der Aufnahme mit PCR getestet?

Nein. Es kann auch sein, dass im Behandlungsverlauf Symptome entstehen, etwa weil es zu einem Kontakt mit einem Norovirus-Patienten gekommen ist. Dann testen wir auch mit PCR, um schnell entscheiden zu können, ob eine Isolierung nötig ist. 

Wie lange nutzen Sie den geneLEAD VIII bereits?

Seit knapp vier Jahren. Anfangs musste für Tests noch ein Reagenz angesetzt werden. Jetzt sind die Reagenzien im Testkit gefriergetrocknet, also lyophilisiert. Davon bin ich total begeistert. Es geht seitdem viel schneller, die Haltbarkeit beträgt 24 Monate und es gibt beim Ansatz keinen Reagenzverlust mehr.

 

Sie haben zwei Systeme, richtig?

Genau. Für uns als Krankenhaus mittlerer Größe, das keine Unmengen an Proben hat, ist das von Vorteil. Ich kann ein Gerät auch schon mit vier Proben einschalten. Mit den zwei Systemen haben wir zweimal acht Positionen, die wir zeitversetzt bedienen können. Damit sind wir sehr flexibel. Wenn es schnell gehen muss, werfe ich das System auch für nur eine Probe an. Zwei unabhängige Systeme sind besser als ein großes, unflexibles System. 

Ist das Personal mit dem geneLEAD VIII zufrieden?

Seit die Reagenzien lyophilisiert sind, vollkommen. Wir sind damit mittlerweile genauso schnell wie mit dem Kassettensystem. Die Reagenzien haben zwei integrierte Qualitätskontrollen, eine Sample Control und eine Process Control. So können wir sicher sein, dass die Probennahme und der PCR-Prozess richtig funktionieren. Der ganz große Vorteil ist, dass sich alle Parameter kombinieren lassen. So können wir etwa MRSA, Influenza, Noro und Covid gleichzeitig bestimmen. Als langjährig erfahrene MTLA freut mich, dass der geneLEAD VIII keinerlei Schickimicki braucht. Es ist aus Edelstahl und da geht nichts kaputt. Auch in der Wartung ist das System sehr pflegeleicht, und technische Probleme gab es bisher keine. Jedes halbe Jahr nehmen wir auch an RFB-Ringversuchen teil, das ist Vorschrift. Das System ist an unser LIS angeschlossen.

Mit dem geneLEAD VIII gelingt eine vollautomatische Verarbeitung von bis zu acht Proben in zwei Stunden. So lässt sich schnell entscheiden, ob eine Isolation von Getesteten nötig ist

KLINIKUM NORDFRIESLAND

Dazu gehören die Kliniken in Husum, Niebüll und Wyk sowie die geriatrischen Tageskliniken Husum und Niebüll, das regionale Gesundheitszentrum Tönning, die BIZ Pflegefachschule, eine Therapieschule und 15 angeschlossene Facharztpraxen. 

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