45 Minuten statt 72 Stunden
Harnwegsinfekte sind weitverbreitet und ein häufiger Grund für Antibiotikaverschreibungen – die oft unnötig oder nicht passgenau sind.
Warum das POCT PA-100 AST System zu einem gezielteren Antibiotikaeinsatz beitragen kann
Epidemiologie von HWI im Kontext von AMR
Rund 400 Mio. Betroffene weltweit pro Jahr
60 Prozent aller Frauen erleiden im Lauf ihres Lebens einen HWI, mehr als jede dritte wiederkehrend
Harnwegsinfekte machen einen großen Teil der Antibiotikaverschreibungen aus
In den USA und Europa gehen 15 Prozent der Antibiotikatherapien auf HWI zurück.
Die Kosten dafür liegen bei über 2 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
HWI sind signifikante Treiber für Antibiotikaresistenzen
Die meisten Antibiotikaverordnungen im Zusammenhang mit HWI sind unnötig oder unpassend HWI ist die vierthäufigste Krankheit, die im Kontext von AMR zum Tod führt.
Brennen, permanenter Harndrang bis hin zu starken, anhaltenden Schmerzen – auch ein harmloser Harnwegsinfekt (HWI) kann unglaublich quälend sein. Kein Wunder, dass Betroffene oftmals in der Notfallsprechstunde ihrer hausärztlichen Praxis schnelle Hilfe suchen. Da die Ergebnisse einer mikrobiologischen Kultur und Resistenztestung in der Regel erst nach mehreren Tagen vorliegen, empfehlen die Leitlinien bei typischen lokalisierten HWI häufig eine symptomorientierte beziehungsweise empirische Behandlung. Antibiotika werden dabei oftmals ohne Kenntnis des tatsächlichen Erregers oder Resistenzprofils verordnet. Vor dem Hintergrund zunehmender antimikrobieller Resistenzen (AMR) wächst jedoch das Interesse an Verfahren, die bereits beim Erstkontakt zusätzliche diagnostische Informationen liefern können. Während die neue EAU-Leitlinie 2025 die klinische Einordnung von Harnwegsinfektionen durch die Unterscheidung in lokalisierte und systemische Verläufe vereinfacht, eröffnet das Point-of-Care-System PA-100 AST neue Möglichkeiten für die Diagnostik lokalisierter HWI: Dazu gehören der Nachweis einer Bakteriurie innerhalb von 15 Minuten und ein phänotypisches Antibiogramm innerhalb von 45 Minuten – statt nach bis zu 72 Stunden.
Lokalisiert versus systemisch
Mit der Aktualisierung der EAU-Leitlinie 2025 wurde die bisherige Einteilung von Harnwegsinfektionen in „unkompliziert“ und „kompliziert“ durch ein klinisch orientiertes Klassifikationsmodell ersetzt. Im Mittelpunkt steht nun die Unterscheidung zwischen „lokalisierten“ und „systemischen“ HWI. Als lokalisierte HWI gelten Infektionen, die auf die unteren Harnwege begrenzt sind und keine systemischen Infektionszeichen aufweisen, beispielsweise eine akute Blasenentzündung. Systemische HWI hingegen sind durch zusätzliche Allgemeinsymptome wie Fieber, Schüttelfrost, Hypotonie oder Flankenschmerzen gekennzeichnet und umfassen unter anderem Pyelonephritis, Prostatitis oder Urosepsis.
Die stärkere Fokussierung auf das Vorliegen systemischer Infektionszeichen hat unmittelbare Konsequenzen für Diagnostik und Therapie. Während bei lokalisierten Harnwegsinfektionen häufig eine ambulante Behandlung ausreichend ist, erfordern systemische HWI eine rasche und umfassendere diagnostische Abklärung, da das Risiko für Komplikationen wie Pyelonephritis, Bakteriämie oder Urosepsis deutlich erhöht ist. Die neue Klassifikation hilft somit, Patientinnen und Patienten mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren.
Der moderne Durchbruch
Das PA-100 AST System (entwickelt von Sysmex Astrego) ist ein modernes, preisgekröntes Diagnostikgerät. Es wird im Londoner Science Museum in der Ausstellung „Medicine: The Wellcome Galleries“ direkt neben historischen Objekten und Ausstellungen zu Alexander Flemings Entdeckung von Penicillin präsentiert. Das Point-of-Care-Diagnostikgerät kann eine Harnwegsinfektion innerhalb von 15 Minuten und die Empfindlichkeit der Bakterien gegenüber Antibiotika in weniger als 45 Minuten direkt vor Ort analysieren. Für diese Leistung im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen wurde das System mit dem hochdotierten Longitude Prize ausgezeichnet. Das so prämierte PA-100 AST System wurde in die Penicillin-Sammlung des Science Museum aufgenommen, um die kontinuierliche Entwicklung und den Kampf der modernen Medizin gegen Supererreger zu veranschaulichen.
In der hausärztlichen Versorgung kann das Point-of-Care-System PA-100 einen echten Unterschied machen: Statt Menschen mit den quälenden Symptomen einer Harnwegsinfektion drei Tage lang unbehandelt auf ein Laborergebnis warten zu lassen oder empirisch ein Antibiotikum zu verschreiben, können Behandelnde damit schnell reagieren. Nach der Abgabe einer Urinprobe werden Personen beispielsweise nach Hause geschickt und dann 45 Minuten später von der Praxis telefonisch informiert, ob es sich um eine bakterielle Infektion handelt bzw. eine Antibiotikagabe braucht. Ist dies der Fall, kann das Rezept einfach auf die Krankenkassenkarte der Behandelten gesendet werden. Das ist für alle Beteiligten praktisch, kosten- und zeitsparend – und die Diagnostik ermöglicht eine gezielte Antibiotikatherapie.
Die UF-Serie: Schnelle HWI-Triage im Kliniklabor
Im Speziallabor, beispielsweise von Kliniken, kann der Nachweis einer Bakteriurie mithilfe der UF-Serie sogar innerhalb einer Minute gelingen. Bei positiven Proben gibt das System spezifische Markierungen wie Bakterienzahlen aus. Der Analyser unterscheidet zudem zwischen grampositiven und gramnegativ verdächtigen Bakterien. Die Vorteile: Unnötige, zeitaufwendige mikrobiologische Folgeuntersuchungen und Urinkulturen werden um mehr als die Hälfte reduziert. Durch den morphologischen Hinweis auf grampositive oder gramnegativ Bakterien erhalten Behandelnde wichtige Anhaltspunkte, um frühzeitig das wirksamste Antibiotikum auszuwählen, bevor das endgültige Resistenzprofil vorliegt. Bei schweren Infektionen kann diese frühe Information die initiale antibiotische Therapie unterstützen, bis Kultur- und Resistenzergebnisse vorliegen.
Geprüfte Sicherheit
Die klinische Evidenz zum PA-100 System basiert auf mehreren Studien, die sowohl die analytische Leistungsfähigkeit als auch den Einfluss auf therapeutische Entscheidungen untersuchten.
In einer ersten prospektiven Evaluation mit 278 Patientinnen mit Verdacht auf unkomplizierte Harnwegsinfektion zeigte das System eine Sensitivität von 84,0 % und eine Spezifität von 99,4 % für den Nachweis der Bakteriurie bei den im System abgedeckten Erregern.
Die phänotypische Antibiotika-Empfindlichkeitsprüfung (AST) aus nativen Urinproben konnte innerhalb von 45 Minuten bereitgestellt werden und zeigte je nach Antibiotikum eine kategoriale Übereinstimmung (OCA) zwischen 85,4 % (Cipro)oxacin) und 96,4 % (Trimethoprim) im Vergleich zur Referenzmethode.
Eine nachfolgende Interventionsstudie in der hausärztlichen Versorgung untersuchte den Einfluss dieser Schnelltestergebnisse auf das Verschreibungsverhalten.
Die Verfügbarkeit von Resistenzdaten bereits beim Erstkontakt führte zu einer signifikanten Verschiebung der Antibiotikaverordnung:
Der Anteil der Fosfomycin-Verschreibungen sank von 65,9 % in der Kontrollgruppe auf 37,7 % in der Interventionsgruppe (p < 0,001), während häufiger auf resistenzgerechte Alternativen wie Nitrofurantoin oder Amoxicillin/Clavulansäure ausgewichen wurde.
Bei 21,5 % der nachgewiesenen Infektionen wurde eine Fosfomycin-Resistenz identifiziert.
Insgesamt zeigen die Daten, dass das PA-100 AST System nicht nur eine rasche phänotypische Diagnostik aus Urinproben ermöglicht, sondern auch das empirische Verordnungsverhalten signifikant in Richtung einer zielgerichteten antibiotischen Therapie beeinflusst und damit einen Beitrag zum Antibiotic Stewardship im ambulanten Setting leisten kann.
Quellen:
