DARMKREBSFRÜHERKENNUNG

Darmkrebs gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Krebserkrankungen in Deutschland. Dabei ist er bei frühzeitiger Erkennung durchaus vermeidbar. Mittels immunchemischer Tests (iFOB-Test) auf Hämoglobin im Stuhl werden geringe Mengen menschlichen Blutes im Stuhl nachgewiesen.

Gemäß der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie haben Versicherte seit dem 1. April 2017 Anspruch auf iFOB-Tests anstelle des bisherigen Guajak-Tests, da diese Blutspuren im Stuhl deutlich besser nachweisen. Patienten können den Test ab einem Alter von 50 jährlich und ab 55 alle zwei Jahre kostenfrei bei ihrem Hausarzt, Internisten, Gynäkologen bzw. Urologen durchführen.

Das von Sysmex angebotene Proben-Röhrchen SENTiFIT pierceTube ermöglicht dem Patienten eine sichere und einfache Durchführung des Stuhltests. Das Labor wiederum profitiert von einer schnellen und hygienischen Abarbeitung der Proben dank dem auf das Röhrchen abgestimmten Analyser Sentifit 270. Informieren Sie sich über den iFOBT-Test unter www.darmkrebs-screening.eu.

Tuberkulose

Erreger:Bakterien →grampositive Stäbchen →Mycobacterium tuberculosis
Übertragung:Über die Atemwege
Geographische Verbreitung:Weltweit
Häufigkeit:9 Millionen Infektionen im Jahr

Fallgeschichte

Ein 23-jähriger Mann aus Südostasien stellte sich seinem Hausarzt mit intermittierendem Fieber vor. Laut seiner Aussage war das Fieber vier Tage zuvor erstmals aufgetreten. Der Mann klagte über die folgenden Symptome: Kurzatmigkeit, Husten mit Auswurf, abdominelle Schmerzen, Diarrhö, nächtliche Schweißausbrüche und Unwohlsein. In Anbetracht der Symptome des Mannes bestand ein Anfangsverdacht auf Tuberkuloseinfektion, sodass der Arzt zur differenzialdiagnostischen Abklärung ein großes Blutbild anforderte.

Tuberkulose: Pathophysiologie und Diagnostik

Die Tuberkulose (Tbc) ist eine weit verbreitete Infektionskrankheit, die durch verschiedene Stämme der Gattung Mycobacterium (primär Mycobacterium tuberculosis) verursacht wird. Dieses Bakterium kann jedes Organ befallen, infiziert jedoch in der Regel die Lunge (pulmonale Tuberkulose). Die Erreger werden durch Sekrettröpfchen übertragen, die von Patienten mit aktiver Tuberkuloseinfektion durch Husten oder Niesen an die Luft abgegeben werden. Die meisten Tbc-Infektionen verlaufen symptomfrei, diese Infektionen werden als latente Tuberkuloseinfektion bezeichnet. Etwa 10 % aller latenten Tbc-Infektionen entwickeln sich zu einer aktiven Tbc-Infektion. Eine aktive Tbc, die unbehandelt bleibt, kann zum Tod des Patienten führen (1). Weitaus seltener ist eine Übertragung der Lungentuberkulose-Erreger über den Blutweg. Durch hämatogene Streuung kann der Infektionserreger zu entfernteren Organen im Körper gelangen und diese befallen, z. B. die peripheren Lymphknoten, die Nieren, das Gehirn und die Knochen (2).

Ausgangspunkt der mykobakteriellen Infektion sind die Lungenbläschen (Alveolen). Dort dringen die Erreger in die Endosome der Alveolarmakrophagen ein und vermehren sich (1 – 3). Unter normalen Umständen identifizieren Makrophagen Bakterien als körperfremde Eindringlinge und versuchen, diese zu phagozytieren und mittels reaktiver Sauerstoffspezies und Säure abzutöten. Die Zellwand des M. tuberculosis enthält jedoch Mykolsäuren und bildet eine dicke, wächserne Permeabilitätsbarriere. Das M. tuberculosis besitzt die Fähigkeit, im Phagolysosom eines Makrophagen zu überleben und sich zu vermehren und tötet so den Makrophagen letztendlich ab.
Die Tuberkulose gehört zu den granulomatösen Entzündungskrankheiten (wie auch Morbus Crohn und Lepra). Granulome sind Ringe aus Abwehrzellen, die das Immunsystem um Substanzen bildet, die es als körperfremd identifiziert hat, aber nicht eliminieren kann. Makrophagen, T- und B-Lymphozyten und Fibroblasten bilden Abwehrwälle, die sogenannten tuberkulösen Granuloma, die die infizierten Makrophagen umgeben. Die Bakterien machen sich die Granuloma zu Nutze, um der Zerstörung durch das Immunsystem des Wirts zu entgehen. Die in den Granuloma enthaltenen Makrophagen und dentritischen Zellen sind nicht in der Lage, Antigene an die Lymphozyten zu präsentieren, sodass die Immunantwort unterdrückt wird (4). Die von den Granuloma umschlossenen Bakterien können ihren Aktivitätszustand verändern und in ein Stadium der Dormanz übergehen. Resultat ist eine latente Infektion.

Eine Diagnose der aktiven Tuberkuloseinfektion allein auf Grundlage der Anzeichen und Symptome ist schwierig. Bei Patienten mit Symptomen einer Lungenkrankheit oder konstitutionellen Symptomen, die über mehr als zwei Wochen andauern, sollte eine Differenzialdiagnose zur Abklärung einer möglichen Tbc-Infektion in Betracht gezogen werden. Im Rahmen einer ersten differenzialdiagnostischen Befundung wird in der Regel ein Röntgenthorax angefertigt und mehrere Sputumkulturen werden angelegt und analysiert.

Eine durch intrazelluläre Pathogene verursachte aktive M. tuberculosis-Infektion hat im Differenzialblutbild gegenüber bakteriellen und viralen Infektionen, die durch extrazelluläre Pathogene verursacht werden, ein typisches Profil: aktivierte Monozyten, erhöhtes Neutrophilen-Lymphozyten-Verhältnis und  erhöhte Neutrophilen-Aktivität.

Das Screening und die Behandlung der latenten Tbc zur Vorbeugung aktiver Krankheitsfälle sind bei Populationen mit einer hoher Prävalenz der latenten Tbc-Infektion und Patienten mit einem hohen Risiko für eine Reaktivierung der Tuberkulose (z. B. Patienten mit HIV-Infektion oder Diabetes oder Patienten unter immunsuppressiver Therapie) indiziert (5). Der Nachweis einer latenten Infektion kann mittels Tuberkulin-Hauttest oder Gamma-Interferon-Test erfolgen.

Laborergebnisse

 

Fallinterpretation

Die Analysenergebnisse der im Labor mit der XN-Serie untersuchten Proben des jungen Mannes mit Fieber und klinischen Symptomen einer Lungenkrankheit ergaben eine Leukopenie in Verbindung mit einem Anstieg des relativen Neutrophilenwerts (NEUT/LYMPH = 8,5). Die im WDF-Kanal gemessene Neutrophilenpopulation zeigte eine erhöhte Aktivität (erhöhte Fluoreszenzintensität NEUT-RI = 60,7 FI), die in Kombination mit der erhöhten Monozytenaktivität (erhöhte Fluoreszenzintensität MONO-SFL = 133,7 FI) und einem leicht erhöhten Parameter AS-LYMPH = 0.6 % (Antikörper-synthetisierende Lymphozyten) auf eine durch intrazelluläre Bakterien induzierte aktive Infektion hindeuten könnte.

Die Analyse im RET-Kanal ergab eine Störung der Erythrozytopoese, die sich durch eine leichte mikrozytäre Anämie zeigte mit 8,3 % Mikrozyten, 1,6 % hypochromen Zellen und einem normalen Delta-He-Wert. Diese Ergebnisse könnten als funktioneller Eisenmangel infolge einer andauernden chronischen Entzündungskrankheit interpretiert werden. Die Messung im PLT-F-Kanal ergab eine normale Thrombopoese, d. h. Gesamtthrombozytenzahl und IPF-Wert lagen im Normbereich.

Bei solchen Pneumonie-Fällen zielt die Differenzialdiagnostik darauf ab, die zugrunde liegende Ursache abzuklären. Diese kann eine Infektion durch extrazelluläre oder intrazelluläre Bakterien, eine Virusinfektion oder ein nicht infektiöser Entzündungsprozess sein. Die ausgegebenen XN-Ergebnisse zeigten eine erniedrigte absolute Neutrophilenzahl. Aufgrund der aktivierten Neutrophilen und dem erniedrigten relativen und absoluten Lymphozytenwert konnte eine virale Infektion ausgeschlossen werden. In den meisten Fällen würde eine durch extrazelluläre Bakterien verursachte Pneumonie zu einem erhöhten absoluten Neutrophilenwert (in Verbindung mit einem erhöhten IG-Wert), einer erniedrigten Monozytenpopulation und einem negativen Delta-He-Wert führen. Ein solches Profil charakterisiert eine akute Infektion und würde daher gewöhnlich mit einer Thrombozytopenie einhergehen. Eine nicht infektiöse Entzündung würde zu Neutrophilie führen, ohne Aktivierung der neutrophilen Granulozyten[M1]  und ohne Anstieg des Monozytenwerts.

Der bei der Differenzialzählung der Leukozyten leicht erhöhte AS-LYMPH-Wert deutet auf T-Zell-unabhängige aktivierte B-Lymphozyten hin. Diese zirkulierenden Plasmazellen werden von den aus der Zellwand des M. tuberculosis freigesetzten Lipopolysacchariden direkt aktiviert. Sie produzieren unspezifische Antikörper, die an die B-Zell-Rezeptoren binden.

Die Ergebnisse insgesamt schließen eine Infektion durch extrazelluläre Bakterien, eine nicht infektiöse Entzündung sowie eine Virusinfektion aus. Die endgültige Verdachtsdiagnose Tuberkulose wurde durch einen positiven Röntgenthorax bestätigt. Vier Wochen nach dem ersten Blutbild und der Einleitung der Antibiotikatherapie bestätigte eine Ziehl-Neelsen Färbung zum Nachweis von säurefesten Bakterien in der Sputumkultur die Tbc-Diagnose.

Literatur

  1. World Health Organization (2015): Tuberkulose.
    http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs104/en/
  2.  Kumar V, Abbas AK, Fausto N, Mitchell RN (2007): Robbins Basic Pathology (8th ed.). Saunders Elsevier. pp. 516–522.
  3. Houben E, Nguyen L, Pieters J (2006): Interaction of pathogenic mycobacteria with the host immune system. Curr Opin Microbiol 9 (1): 76–85.
  4. Bozzano F (2014): Immunology of tuberculosis. Mediterr J Hematol Infect Dis 6 (1): e2014027.
  5. Ferrara G, Murray M, Winthrop K (2012): Risk factors associated with pulmonary tuberculosis: smoking, diabetes and anti-TNFα drugs. Curr Opin Pulm Med: 18:233-40.

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