Sysmex Deutschland
Sysmex Europe
Other Sites
Menu

Leptospirose

Erreger:Bakterien →gramnegative Spirochäten →Leptospira interrogans
Übertragung:Kontakt mit infizierten Tieren, hauptsächlich durch Urin
Geographische Verbreitung:Weltweit, vorwiegend in tropischen Regionen
Häufigkeit:Bis zu 1 Million Infektionen im Jahr (Schätzwert)

Fallgeschichte

Ein 41-jähriger Indonesier leidet seit einigen Tagen an intermittierendem Fieber. 5 Tage nach dem Beginn des Fiebers wird er ins Krankenhaus eingewiesen, sein Arzt beschreibt seine Symptome als Kopfschmerzen, Schmerzen in den Augen, Muskeln und größeren Gelenken. Der Arzt beobachtet zudem zahlreiche Petechien und ordnet unverzüglich ein großes Blutbild mit Differenzialblutbild und Retikulozytenzählung, um den Zustand des Patienten differenziert diagnostizieren und rasch mit der geeigneten Behandlung beginnen zu können.

Pathophysiologie und Diagnostik bei Leptospirose

Leptospirose ist eine Infektionskrankheit, die von pathogenen Bakterien der Gattung Leptospira hervorgerufen wird. Diese werden direkt oder indirekt vom Tier auf den Menschen übertragen. Meist wird die Erkrankung von Nagern übertragen. Menschen infizieren sich durch Wasser, Nahrungsmittel oder Erde, die mit dem Urin erkrankter Tiere in Kontakt gelangt sind. Die Ansteckung erfolgt durch die Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder Nahrungsmitteln, aber auch über die Haut. In den Entwicklungsländern tritt die Erkrankung häufig bei Bauern und bei der verarmten Stadtbevölkerung auf. In den Industrienationen tritt die Leptospirose relativ häufig in bestimmten Gegenden bei Wassersportlern auf, denn ein längerer Aufenthalt im Wasser begünstigt die Infektion mit Leptospirose. Man geht davon aus, dass 7 bis 10 Millionen Menschen jährlich an Leptospirose erkranken (1). Eine Million dieser Erkrankungen zeigen einen schweren Verlauf und führen zu etwa 60.000 Todesfällen.

Die typischen Zeichen und Symptome sind leicht ausgeprägt, wie Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Fieber. Es kann aber auch zu schweren Blutungen kommen.

Bei einem empfänglichen Wirt gelangen virulente Bakterien rasch in die Blutbahn und in alle Organe, besonders in Leber und Nieren. Die Inkubationszeit beträgt meist 5 bis 14 Tage, wird aber üblicherweise mit 3 bis 30 Tagen angegeben. Forschungsarbeiten gehen hauptsächlich von Endotoxinen, Hämolysinen und Lipasen als möglicher Quellen der Pathogenität aus, der tatsächliche Mechanismus der Verletzung des Wirtsgewebes bleibt jedoch unklar.

Der übliche pathologische Befund bei Leptospirose ist eine Vaskulitis der Kapillargefäße, die sich im Endothel durch Ödem, Nekrose und Lymphozyteninfiltration manifestiert. Die Vaskulitis der Kapillargefäße tritt in den betroffenen Organen auf. Der daraus folgende Verlust an Erythrozyten und Flüssigkeit ist die Ursache für eine sekundäre Gewebeverletzung und bewirkt viele der klinischen Befunde. Infolge der Beschädigung des Gefäßsystems kann es zu einem Kapillarleck, zu Hypovolämie und Schock kommen. Es kann sich eine disseminierte intravasale Koagulopathie, ein hämolytisch-urämisches Syndrom oder eine thrombotisch-thrombozytopenische Purpura entwickeln. Eine Thrombozytopenie verweist auf einen schweren Verlauf der Erkrankung (2).

Nach der akuten Infektion setzt sich die Vermehrung der Bakterien fort, bis sich im Plasma opsonisierendes Immunglobulin bildet und eine rasche Immunclearance einsetzt. Die Antwort des Immunsystems kann zwar die Organismen aus dem Körper eliminieren, sie kann aber auch zu einer symptomatischen Entzündungsreaktion mit sekundärer Schädigung des Zielorgans führen.

Eine frühzeitige Diagnose der Leptospirose ist wichtig, da eine Antibiotikabehandlung am effizientesten wirkt, wenn sie zu einem frühen Zeitpunkt im Krankheitsverlauf begonnen wird. Bakterienzellkultur und mikroskopische Agglutinationstests sind der Goldstandard zur Diagnose von Leptospirose. Sie sind jedoch nicht zur Frühdiagnostik geeignet. Serologische Schnelltests auf Bakterien zeigt eine geringe Sensitivität für Leptospirose im frühen Stadium und PCR-basierte Techniken stehen in Entwicklungsländern meist nicht zur Verfügung.

Laborergebnisse

 

Fallinterpretation

Die XN-Ergebnisse belegen eine schwere Thrombozytopenie, eine Leukozytose und eine leichte Anämie. Der WDF-Kanal zeigt eine schwere Neutrophilie und Lymphopenie sowie ein hohes Verhältnis zwischen Neutrophilen und Lymphozyten (NEUT#/LYMPH# = 31). Zudem geht aus dem WDF-Scattergramm durch die erhöhte Fluoreszenzintensität die Aktivierung der Neutrophilen (NEUT-RI = 61,1 FI) und Monozyten (MONO-SFL = 150,1 FI) hervor.

Der PLT-Wert aus dem PLT-F-Kanal ist sehr niedrig (PLT = 9 x 109/l) und steht im Einklang mit den Blutungen und Petechien des Patienten. Der Normalwert für die Fraktion unreifer Thrombozyten (IPF% = 1,7 %) legt als Ursache für die Thrombozytopenie eine reduzierte Bildung im Knochenmark nahe, die ebenfalls einen niedrigen IPF#-Wert verursacht und bei infektiösen Geschehen häufig auftritt.

Der RET-Kanal zeigt, dass auch die Erythropoese betroffen ist, denn der RET-Wert ist leicht reduziert und Delta-He ist negativ (- 4,2 pg). Dieser stark negative Wert ist auch ein Hinweis auf eine akute Infektion und eine Sequestration des verfügbaren Eisens in den Makrophagen. Die Eisensequestrierung durch das Ferritin in den Makrophagen reduziert die Eisenverfügbarkeit für extrazelluläre Pathogene, um deren Wachstum zu verhindern. Dieser Mechanismus unterdrückt jedoch auch die Eisenverfügbarkeit für die Erythrozytenvorläuferzellen. Die Folge sind ein reduzierter RET-He-Wert und ein negativer Delta-He-Wert.

Dieses Blutzellenantwortprofil ist typisch für die Frühreaktion des angeborenen Immunsystems auf extrazellulär vorhandene bakterielle Pathogene. Das sehr hohe Neutrophilen/Lymphozyten-Verhältnis und der geringe Gesamtlymphozytenwert schließen eine Vireninfektion weitgehend aus. Die starke Neutrophilie und die geringe Lymphozyten-Immunantwort (Re-LYMP) schließen auch ein intrazelluläres Pathogen als mögliche Infektionsursache aus.

Ein positiver IgM-Anti-Leptospira ELISA-Test einen Tag nach den XN-Ergebnissen bestätigte die Leptospiroseinfektion des Patienten.

Literatur

  1. Informationen des britischen NHS zur Leptospirose
    http://www.nhs.uk/conditions/Leptospirosis/Pages/Introduction.aspx
  2. Chierakul W., Tientadakul P., Suputtamongkol Y., Wuthiekanun V., Phimda K., Limpaiboon R. (2008): „Activation of the coagulation cascade in patients with leptospirosis“; Clin. Infect Dis. Jan 15; 46 (2): 254-60

XN-Kanäle

Referenzbereiche

Unser Glossar

Wissenschaftliche Begriffe für Sie definiert.

Hier geht es zum Glossar

Wallpaper 2016

Zu den Dokumenten
Zu unserer Podcast-Serie
Unser Media Center
Alle
  • Alle
  • Dokumente
  • Podcast
  • Bilder
  • Videos
Love Life and Donate