Delta He – Auf einen Blick
- Schneller Marker für Entzündungen: Bereits wenige Stunden nach einer verminderten Eisenverfügbarkeit kann Delta-He deutlich abfallen [3].
- Hinweis auf Akute-Phase-Reaktionen: Eine plötzliche Negativierung kann auf eine Entzündungsreaktion hinweisen; steigende Werte sprechen für eine Erholung [2].
- Früher Marker für funktionellen Eisenmangel: Erkennt einen intrazellulären Eisenmangel sehr frühzeitig.
- Einfach und schnell verfügbar: Bestimmung aus einer routinemäßigen EDTA-Blutprobe ohne zusätzliche Analytik.
- Unterstützt die Infektionsdiagnostik: Spiegelt die entzündungsbedingte Eisensequestration indirekt wider.
- Geeignet für das Verlaufsmonitoring: Ermöglicht die schnelle Beurteilung von Krankheits- und Therapieverläufen.
Delta-He (Delta-Hämoglobin-Äquivalent)
Der Parameter Delta-He beschreibt die Differenz zwischen dem Hämoglobinäquivalent der Retikulozyten (RET-He) und dem Hämoglobingehalt reifer Erythrozyten (RBC-He). Die Messung erfolgt im RET-Kanal der Analysesysteme der XR-/XN- sowie der XN-L-Serie. Unter physiologischen Bedingungen ist Delta-He positiv, da Retikulozyten aufgrund ihres Reifungsstadiums einen höheren Hämoglobingehalt aufweisen als reife Erythrozyten.
Bei einer mikrobiellen Infektion aktiviert der Organismus evolutionär entwickelte Abwehrmechanismen. Dabei werden proinflammatorische Zytokine, insbesondere Interleukin-6 (IL-6), freigesetzt. Dies stimuliert die Bildung des Akute-Phase-Proteins Hepcidin, das die Internalisierung und den Abbau des Eisentransporters Ferroportin fördert. Infolgedessen wird Eisen in den Zellen zurückgehalten und steht der Erythropoese sowie der Hämoglobinsynthese nur eingeschränkt zur Verfügung.
Die verminderte Eisenverfügbarkeit führt zur Bildung hypochromer Retikulozyten mit reduziertem Hämoglobingehalt. Dadurch sinkt der RET-He-Wert und folglich auch Delta-He. Dieser Parameter kann daher frühzeitig funktionelle Veränderungen des Eisenstoffwechsels im Rahmen entzündlicher Prozesse anzeigen.
Diagnostische Relevanz
Der hämatologische Parameter Delta-He ermöglicht eine hochsensitive und präzise Beurteilung des funktionellen Eisenstatus der Erythropoese. Negative Delta-He-Werte entstehen, wenn neu gebildete Retikulozyten einen geringeren Hämoglobingehalt aufweisen als reife Erythrozyten. Dies weist auf eine eingeschränkte Eisenverfügbarkeit während der Hämoglobinsynthese hin.
Eine verminderte Eisenverfügbarkeit für die Erythropoese kann zudem auf das Vorliegen einer Infektion oder Entzündung hindeuten. Im Rahmen der Immunantwort wird Eisen vermehrt intrazellulär gespeichert und dem Kreislauf entzogen, wodurch es für die Bildung neuer Erythrozyten nicht mehr ausreichend zur Verfügung steht. Delta-He spiegelt somit indirekt die Aktivierung von Monozyten und Makrophagen sowie die durch Mikroorganismen induzierte Eisensequestration wider.
In der Studie von Zimmermann et al. (2021) wird Delta-He als rund um die Uhr verfügbarer Biomarker („24/7 Biomarker“) zur frühzeitigen Erkennung bakterieller Infektionen beschrieben [2].
Der Referenzbereich für Delta-He liegt bei 1,2 bis 3,6 pg [1].
Referenzen
[1] Van Pelt J et al. (2022): Reference intervals for Sysmex XN hematological parameters as assessed in the Dutch Lifelines cohort; Clin Chem Lab Med; 60(6): 907. Clin Chem Lab Med; 60(6): 907.
[2] Zimmermann et al. (2021): Delta-Hemoglobin Equivalent and Granularity Index as Cell-Derived Biomarkers for the Detection of Bacterial Infections; Clin. Lab. 2021;67:1918-1928.
[3] Weimann et al. (2015): Delta-He, Ret-He and a new diagnostic plot for differential diagnosis and therapy monitoring of patients suffering from various disease-specific types of anemia. Clin Lab, 2016;62:xx-xx. DOI: 10.7754/Clin.Lab.150830. (epub ahead of print).

