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"Erfahrungen sind ein großer Schatz"

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 2/2020

 

Als Hausarzt in Bern kommt Dr. med. Hubert Hanke mit allen möglichen Arten von Erkrankungen in Kontakt. Warum Blut oft der Kompass zur Diagnose ist und wie neue Technologien den Weg abkürzen, erklärt er im Interview

Text: Stephan Wilk

Dr. med. Hubert Hanke leitet als Hausarzt seine eigene Praxis in Bern und ist zusätzlich als Facharzt für Hämatologie in der Privatklinikgruppe Hirslanden tätig. Um die diagnostischen Möglichkeiten seiner Praxis zu erweitern, hat sich der Facharzt kürzlich dafür entschieden, als Ersatz des Sysmex K21 das Sysmex Hämatologie-Analysesystem XN-330 zu implementieren, das alle Leukozyten-Parameter einschließlich Immature Granulocyte vollautomatisch bestimmt und 5-Part-Differenzialblutbilder erstellt. Diese erleichtern nicht nur die Verlaufskontrolle bei bestimmten Patienten, sie ermöglichen im Alltag auch wertvolle Zufallsdiagnosen.

Herr Dr. Hanke, worin sehen Sie Ihre größte Herausforderung als Hausarzt und wie gelingt es Ihnen, bei der Vielfalt an Beschwerden alle möglichen Ursachen im Blick zu behalten?

Als Hausarzt bin ich der Ansprechpartner für grundsätzlich alle medizinischen Probleme. Um das gesamte Spektrum möglicher Ursachen im Blick zu behalten, braucht es vor allem viel Erfahrung. Erfahrungen sind ein wichtiger und hilfreicher Schatz, den man hat, da man sich immer wieder an frühere Patienten erinnert, wenn man es mit einem ähnlichen Fall zu tun hat. Zusätzlich ist eine gründliche Anamnese das A und O. Dazu gehört es, sich dem Patienten gegenüber verständlich auszudrücken und gezielt Rückfragen zu stellen. Ich sage den Assistenten immer, dass sie zuerst eine eingehende Anamnese machen und sich dann schon einmal fragen sollen, was hinter den Beschwerden stecken könnte. Danach lässt sich viel besser erklären, weshalb bestimmte Laboruntersuchungen notwendig sind. Denn das ist selbstverständlich auch immer eine Kostenfrage. Eine gute klinische Untersuchung ist sowieso die halbe Miete für eine erfolgreiche Diagnostik. Außerdem hilft es, Spezialinteressen zu haben. Bei mir ist das die Hämatologie und da besonders der Gerinnungsbereich. Dieses Fachwissen ist von Vorteil, um spezialdiagnostisch breit aufgestellt zu sein.

Stichwort Hämatologie: Kommt es häufig vor, dass sich aus auffälligen Differenzialblutbildern Zufallsdiagnosen ergeben?

Das kommt immer wieder vor. Eine der häufigsten Zufallsdiagnosen in meiner Praxis ist aufgrund des hämatologischen Labors eine Anämie. Die zeigt sich besonders oft bei Patienten, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Und es sind häufig junge Frauen davon betroffen. Das Leitsymptom ist in der Regel Müdigkeit und es geht dann in der Behandlung vor allem darum, wie sich die Eisenzufuhr optimieren lässt. Myeloproliferative Erkrankungen kommen in internistischen Praxen natürlich seltener vor. Jedoch ist die Altersleukämie oft ein Zufallsbefund. Es erkranken daran etwa 10.000 Schweizer pro Jahr. Die betroffenen Patienten kommen meist mit verschiedenen Beschwerden zum Hausarzt. Finden sich dann erhöhte Leukozyten- und Lymphozytenzahlen im Blutbild der Patienten, kann dies ein Hinweis auf eine chronisch lymphatische Leukämie sein. Ein weiteres Beispiel für eine Zufallsdiagnose ist eine massive Monozytenvermehrung, die etwa ein Zeichen für eine unentdeckte Tuberkulose sein kann.

Um 5-Part-Differenzialblutbilder automatisch zu erstellen, haben Sie sich kürzlich für das Hämatologie-Analysesystem XN-330 entschieden. Wie sind Ihre Erfahrungen damit?

Sehr gut. Gerade kürzlich hatte ich einen Patienten mit Polyzythaemia vera mit zahlreichen Komplikationen in der Praxis. Da konnte ich über das Differenzialblutbild ganz einfach verfolgen, wie viele Vorstufen, eventuell Blasten im peripheren Blut vorkommen. Gegenüber dem vorherigen Gerät hat sich dadurch für mich eine gewaltige Verbesserung der Kontrollmöglichkeiten solcher Patienten ergeben. Denn vorher konnte ich nur ein kleines Blutbild machen, und es wurden Flags gesetzt, dass etwas nicht stimmt. Weitere Hinweise gab es aber nicht.

Haben sich in Ihrer Praxis auch diagnostische Vorteile durch die Implementierung des Systems ergeben?

Ja, da gibt es einige. Dank der Differenzierung der weißen Blutzellen kann ich Ursachen schneller eingrenzen. Liegt beispielsweise eine Eosinophilie vor, kann das auf ein allergisches Leiden oder eine Überempfindlichkeit hindeuten. Wir haben im Moment beispielsweise eine Patientin in Behandlung, die unter Atemnotanfällen leidet, die durch ihre starke Histamin-Intoleranz mitverursacht werden. Die zusätzlich im Blutbild festgestellte Eosinophilie (durch einen roten Spot im Scattergramm gekennzeichnet) wies bei dieser bekannten Asthmatikerin auf eine weitere Ursache der Atemnotanfälle hin. Wir haben der Patientin dann Steroide verschrieben und 14 Tage später bei der Nachkontrolle gab es den roten Spot im Scattergramm nicht mehr. Es erleichtert die Verlaufskontrolle deutlich, dass ein schneller Blick auf das Scattergramm völlig ausreicht, um zu sehen, dass die Eosinophilie komplett verschwunden und die Behandlung erfolgreich ist.

Aus welchen Beweggründen haben Sie sich für den XN-330 entschieden?

Das ist eine lange Geschichte. Schon in meiner Dissertationszeit habe ich die Evaluation eines Analysesystems für das Inselspital in Bern durchgeführt. Es ging dabei um die Frage, wie sehr Kliniker die Diagramme nutzen, die ihnen vom Labor gesendet werden. Das Resultat lautete: erstaunlich wenig, außer wenn das Resultat von demjenigen ausgewertet wird, der auch das Blutbild betrachtet. Seitdem war für mich ganz klar, dass in meiner Praxis ein möglichst gutes Gerät stehen soll. Im Labor des Campus Hirslanden Bern, wo ich als Supervisor des Hämatologielabors agiere, nutzen wir ein Sysmex System und ich bin mit den Interpretationsmöglichkeiten vertraut. Deshalb wollte ich auch selbst ein Sysmex System implementieren. Aber letztendlich haben die Bedürfnisse in meiner eigenen Praxis den Ausschlag für die Entscheidung gegeben.

Spielen 5-Part-Differenzialblutbilder eine wichtige Rolle bei der Abklärung von Infektionen?

Für Infektiologen spielen Differenzialblutbilder eine große Rolle, da es wichtig ist, zu sehen, wie sich die Subgruppen der Leukozyten verändert haben. Außerdem geben Blutbilder Hinweise darauf, ob überhaupt ein Infekt vorliegt. Bei Intensivstationspatienten kann oft durch die festgestellten Veränderungen im Differenzialblutbild, zusammen mit anderen Laborwerten, der Schweregrad der Infektion festgelegt werden. Das ist Alltag. Vor Kurzem wurde ich außerdem zu einem Tumorpatienten gerufen, der plötzlich unter einer akuten Panzytopenie litt. Es hat sich dann gezeigt, dass der Patient einfach eine schwere Sepsis hatte und die Panzytopenie Ausdruck der schweren Sepsis war. Das hat dann nichts mit einer Bluterkrankung, sondern mit einer schweren Infektsituation zu tun. Aber es hilft uns natürlich sehr gut dabei, die Sache besser einzugrenzen.

Summary

  • Für die vollautomatische Erstellung von 5-Part-Differenzialblutbildern hat sich Dr. med. Hubert Hanke für das Hämatologie- Analysesystem XN-330 entschieden
  • Die Auszählung der Subtypen weißer Blutzellen erleichtert dem Hämatologen die Diagnostik, und ein Vergleich der Scattergramme eines Patienten ermöglicht eine schnelle Verlaufskontrolle

 

Fotoquelle: Marvin Zilm

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