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RET-He in der Intensivmedizin

 

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2021

 

Mit der Einrichtung einer Anämieambulanz hat man im St. Marienhospital in Vechta unter der Leitung von PD Dr. med. Hönemann sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Interview gibt der Experte Einblicke in den klinischen Alltag aus erster Hand.

Interview: Ramona El Fatmi

Neben den vielen anderen Aufgaben gehört zusätzlich die Anämiesprechstunde zum Arbeitsbereich Anästhesie/ Intensivmedizin – warum?

Entscheidend ist, dass der Patient zum Zeitpunkt der Maßnahmen (OP) optimal vorbereitet ist. Auch ein normaler HB-Wert geht postoperativ nach 48 Stunden nach unten. Auf Intensivstationen macht der latente Eisenmangel richtig Probleme. Anämiepatienten haben eine deutlich höhere Verweildauer und deutlich mehr Wundinfektionen. Daher ist es äußerst wichtig, dass eine Anämie vor der OP behandelt wird. Es wäre notwendig, dass immer mehr Ärzte die Anämie als separates Krankheitsbild anerkennen und behandeln, statt sie nur beiläufig wahrzunehmen.

Die RET-He-Bestimmung hat sich in Ihrer Klinik gerade für die Anämieambulanz und Patienten auf Intensivstationen bewährt. Wie setzen Sie diesen Parameter ein?

Wir sind sehr dankbar, dass das Labor uns aktiv auf diesen Parameter aufmerksam gemacht hat, den wir bis vor einiger Zeit noch gar nicht kannten. Das RET-Hämoglobin ist unabhängig von akuten und chronischen Entzündungen und zeigt sofort und direkt, ob ein Eisenmangel besteht. Eigentlich wird bei uns nur noch dieser Parameter gemessen – aufwendige und teure Diagnostik sparen wir ein. Das Besondere ist, dass das Ergebnis bereits nach kürzester Zeit vorliegt. Ich nehme das Blut selbst ab und gehe damit zum Labor und kann dann den Patienten in der Ambulanz sofort beraten, zum Beispiel ob er nur Erythropoetin zur Blutbildung braucht oder ob ihm Eisen fehlt.

Können Sie die Bedeutung des Parameters anhand eines praktischen Beispiels erläutern?

Ja, bei einem Patienten mit einem Hämoglobin von 11 g/ dL, erniedrigten Retikulozyten, jedoch mit einem hohen RET-He, weiß ich sofort, dass ich ihn mit ein bisschen Erythropoetin zu einem noch besseren Ergebnis in die Operation bringen kann. RET-He gibt mir sofort eine Information, dass aktuell genügend Eisen vorhanden ist und nur etwas Stimulanz für die Neubildung fehlt. Bei einem anderen Patienten beispielsweise, der initial einen HB von 7,8 g/dL und RET-He von nur 18 pg zeigte, musste Eisen i. v. und Epo substituiert werden. Nach einer knappen Woche war HB zwar leicht angestiegen, RET-He aber immer noch grenzwertig, und man wusste sofort, welche Maßnahmen noch ergriffen werden mussten. Mit diesem großartigen Parameter lässt sich die Therapie für mich viel einfacher steuern.

Das RET-He wird im Profil Retikulozyten am Hämatologiesystem gemessen – ist das nicht teuer?

Retikulozyten sind doch vergleichsweise richtig günstig! Serumeisen ist meist unsinnig zu bestimmen, Ferritin und Transferrinsättigung oder sogar Hepcidin sind um vieles teurer. Mit Retikulozyten und RET-He habe ich den Vorteil, dass sie die Quantität und die Qualität der Retikulozyten exzellent wiedergeben – und das auch noch von den letzten drei Tagen! Und wenn man das noch mit dem Parameter DELTA-He ins Verhältnis setzen kann, wie es beispielsweise auch das „Hämaplot“ bietet, ist das eine große Hilfe.

Aus Ihrer Sicht: Welches ist der größte Nutzen, den Ihnen die Parameter im Klinikalltag bringen?

Den Behandlungserfolg meiner Therapie innerhalb von drei Tagen monitoren zu können, das ist perfekt! Für den Hausarzt könnte das ebenfalls bedeuten, dass er viel schneller beurteilen kann, ob die orale Eisengabe bei diesem Patienten anschlägt oder, wenn dies nicht der Fall ist, eine intravenöse Eisensubstitution notwendig ist. Studien zeigen ja, dass sich bei einer präoperativen Anämie durch die Behandlung mit Eisen i. v. die Liegezeit um drei Tage verkürzen lässt.

Fotoquelle: privat

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