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Mehr Zeit für komplexe Tests

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2020

 

Den Workflow der klinischen Flowzytometrie optimieren: Robert Lemke vom Institut für Medizinische Diagnostik Berlin über das neue Probenvorbereitungssystem PS-10

Text: Dr. Maike Rieks

 

Das Institut für Medizinische Diagnostik Berlin (IMD) verfügt über ein immunologisches Speziallabor. In diesem findet aktuell, unter der Leitung von Dr. Cornelia Doebis, eine Evaluierung des neuen Probenvorbereitungssystems PS-10 von Sysmex statt. Wir haben mit dem technischen Gruppenleiter Robert Lemke, der das Projekt vor Ort begleitet, über seine Erwartungen sowie seine ersten Eindrücke gesprochen.

Herr Lemke, im IMD-Labor wird derzeit das Probenvorbereitungssystem PS-10 von Sysmex in der Durchflusszytometrie getestet. Wie lief die Probenvorbereitung bei Ihnen bisher ab?

Bis jetzt haben wir alle Proben ganz klassisch händisch abgearbeitet. Dafür haben wir zuerst per Hand profilbezogene Antikörper-Mastermixe angesetzt, diese dann pipettiert, Blut daraufgegeben, inkubiert, lysiert und anschließend mit einem Waschsystem gewaschen.

Nutzen Sie Antikörper von verschiedenen Herstellern, und welche Rolle spielt dabei, dass das PS-10 ein offenes System ist?

Für einige Analysen, etwa für die kappa/lambda-Färbung bei Lymphomverdacht, möchten wir auf ganz spezielle Klone zurückgreifen, die aus verschiedenen Publikationen bekannt sind. Daher müssen wir uns bei einzelnen Fragestellungen auf dem Markt nach den passenden Klonen oder Antigen-Kombinationen umsehen. Auch wenn es für die technischen Assistenten und die Warenwirtschaft zunächst etwas mehr Arbeit bedeutet, steht dabei die Qualität der Ergebnisse im Vordergrund. Und in dem Zusammenhang ist das offene System des PS-10 für uns von großem Nutzen, da sich hiermit Antikörper verschiedener Anbieter problemlos integrieren lassen.

Die Dokumentation von Antikörpern, Proben und Reagenzien ist ein wichtiger Bestandteil des Systems. Welche Rolle spielt dies für ein akkreditiertes Labor wie das IMD?

Es ist sehr vorteilhaft, dass sich sämtliche Daten zu Chargen, Ablauf und Anbruch im System hinterlegen lassen. Da es sich um ein offenes System handelt, ist das Einpflegen natürlich ein wenig aufwendiger. Die Sysmex-eigenen Antikörper lassen sich beispielsweise sehr simpel einlesen, das geht ruck, zuck. Bei Fremdantikörpern braucht es hingegen ein bisschen mehr Vorlauf. Aber ich denke, wenn das einmal eingepflegt ist, hilft uns diese Möglichkeit sehr und kann unsere händische Chargen-Dokumentation vermutlich sogar vollständig ablösen.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der Software des PS-10 und der Waschzentrifuge Rotolavit II-S?

Die Software ist sehr intuitiv gestaltet. Wenn man vorher noch nicht mit Sysmex Systemen in Berührung gekommen war, ist der Touchscreen erst einmal ungewohnt. Er ist aber ein sehr schönes Feature, mit dem sich noch schneller und intuitiver arbeiten lässt.

Im Augenblick ist das PS-10-System bei Ihnen noch nicht an das Laborinformationssystem angebunden. Ist eine Anbindung geplant und halten Sie diese für sinnvoll?

Eine Anbindung an das Laborinformationssystem ist in jedem Fall sinnvoll und wird auch eine zusätzliche Zeitersparnis bedeuten. Aktuell müssen wir den Probennummern, nachdem wir diese gescannt haben, anschließend noch händisch ein Profil zuweisen. Bei ungefähr 80 bis 100 Patienten pro Tag summiert sich der Aufwand dafür sicher auf insgesamt eine halbe Stunde bis Stunde. Diese sehr wertvolle Zeit unserer MTLAs geht uns aktuell verloren. Wenn sich zukünftig das Probenvorbereitungssystem das angeforderte Profil selbstständig aus dem System zieht, wäre das ein großer Gewinn für uns.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Vorteile des PS-10?

In der Durchflusszytometrie spielen Vergleichbarkeit und Standardisierung der Ergebnisse eine wichtige Rolle. Darin liegt der größte Vorteil von Automationen im Allgemeinen. Natürlich führen wir mit den Mitarbeitern immer wieder Konsensus-Trainings durch, um sicherzustellen, dass alle gleich arbeiten. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass die Ergebnisse abhängig von der Tagesform leicht schwanken. Und da unterstelle ich dem PS-10-System, dass es jeden Tag gleich konzentriert arbeitet. Dieses hohe Maß an Vergleichbarkeit ist sicher der größte Vorteil. Zusätzlich stehen die MTLAs durch die Zeitersparnis für anspruchsvollere Aufgaben zur Verfügung.

Viele Labormitarbeiter fühlen sich durch die Lautstärke von Laborgeräten gestört. Wie ist das beim PS-10-System?

Die Lautstärke des PS-10 ist relativ gering. Wenn man direkt daneben steht, hört man, wie sich der Arm bewegt. Das Geräusch wird von den teilweise lauteren anderen Geräten im Labor übertönt und verschwindet praktisch im Alltagsrauschen der Umgebung. Wenn das PS-10-Sytem die Proben mit dem Rotor schüttelt, hört man das natürlich. Aber gerade weil es so selbstständig arbeitet, ist dies für Mitarbeiter auch ein hilfreiches Signal, an welcher Stelle der Probenvorbereitung sich das PS-10 gerade befindet. Deswegen ist das eher ein Vorteil, finde ich.

Und wie schätzen Sie den Pflege- und Reinigungsaufwand des Systems ein?

Die Pflege ist relativ unkompliziert. Morgens muss das PS-10-System wie jedes Großgerät gespült werden. Außerdem soll einmal monatlich eine Kalibrierung durchgeführt werden. Das braucht dann natürlich schon Zeit, hält sich aber im Rahmen und unterscheidet sich nicht von dem Kalibrierungsaufwand anderer Geräte. Im Labor ergeben sich im Tagesablauf oft Belastungsspitzen. Das Gute ist, dass sich eine Kalibrierung problemlos so planen lässt, dass sie außerhalb dieser Zeiten durchgeführt wird und daher keinen besonderen Aufwand bedeutet.

Nach den ersten Erfahrungen: Worauf freuen Sie sich im Umgang mit dem PS-10 am meisten?

Wer sich für den Beruf des MTLA entschieden hat, ist oft auch sehr technikaffin. Daher freuen sich alle Mitarbeiter auf den Umgang mit dem neuen PS-10. Klar, in einigen Fällen besteht erst mal eine gewisse Scheu, weil das System neu ist. Aber wir sind alle sehr froh, dass uns das PS-10 in Zukunft einen Teil der Arbeit abnehmen wird. Gleichzeitig schätzen MTLAs aber auch, wenn es noch Arbeitsbereiche gibt, in denen händisch gearbeitet werden kann und muss. In unserem Fall bleibt uns durch die Automatisierung mit dem PS-10 mehr Zeit für verschiedene manuell aufwendige und anspruchsvolle Funktionstests, die in unserem Labor abgearbeitet werden. Die frei werdende Zeit eröffnet die Möglichkeit, uns noch intensiver auf die Befundauswertung und -interpretion zu konzentrieren, die in enger Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaftlern und Laborärzten am IMD erarbeitet wird. Dies trägt zur Professionalisierung der MTLAs bei und macht somit den Beruf noch attraktiver.

Summary

  • Das IMD-Labor Berlin sammelt erste Erfahrungen mit dem automatischen Probenvorbereitungssystem PS-10 für die klinische Durchflusszytometrie
  • Als größte Vorteile werden die Zeitersparnis sowie die hohe Vergleichbarkeit der Ergebnisse genannt

Fotoquelle: Lene Münch

PS-10

Das Probenvorbereitungssystem PS-10 für die klinische Flowzytometrie bietet viele Möglichkeiten, die Effizienz des Labor-Workflows zu steigern

  • Hohe Flexibilität: Umsetzung aller gängigen Protokolle möglich
  • Kontinuierliche Probenzufuhr mit automatischer Durchmischung der Proben
  • Automatisierte Cocktailherstellung
  • Platz für bis zu 90 Antikörper
  • Stand-Alone-Option: Kompatibilität mit allen anderen Flowzytometern
  • Offenes System: Verwendung von Reagenzien anderer Hersteller möglich
  • Barcode Reader für Identifikation von Proben und Reagenzien
  • Proben- und Reagenzientracking mit umfassender Dokumentation aller Daten
  • Anbindung an LIS möglich
  • Software: leicht programmierbar und intuitiv zu bedienen
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