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Ein Stufensystem der Erfahrung

XTRA-ARTIKEL AUSGABE 1/2020

 

Helfen digitale Innovationen gegen den Fachkräftemangel? Mit einer Vernetzungslösung zeigt das Schweizer Privatlabor Viollier, wie dies gelingen kann. Die Verteilung von Expertise auf verschiedene Stufen spielt dabei eine wesentliche Rolle

Text: Stephan Wilk

 

An 34 Standorten ist das Privatlabor Viollier AG in der Schweiz vertreten. Im Laborcenter in Allschwill befindet sich die „Produktion zentral“, die der Hämatologe Dr. med. Maurice Redondo leitet. Unter seiner Verantwortung werden hier rund 2.500 unterschiedliche Analysen durchgeführt: „Darunter sind 1.060 verschiedene Untersuchungen, die wir in unserem 24/7-Analysensortiment fortlaufend im Corelab durchführen.“ Weniger als 90 Minuten dauert es nach dem Eintreffen der Probe in der Regel, bis die Ergebnisse dem Kunden vorliegen – auch in der Nacht. Resultate von Notfallproben stehen innerhalb von 45 Minuten zur Verfügung. Damit dies gelingt, setzt Dr. Redondo auf innovative digitale Lösungen und auf ein flexibles, komplett automatisiertes Laborsystem mit Anbindung von dezentralen Labors. Erst kürzlich ist wieder ein Standort in das Netzwerk integriert worden.

„In der Schweiz haben wir einfach nicht genug Fachkräfte, um an jedem Standort das nötige Know-how rund um die Uhr, 24/7, zur Verfügung stellen zu können“, so der Spezialist für Labormedizin. Das Problem löst die Viollier AG durch die Vernetzung mehrerer digitaler Morphologiesysteme von Sysmex – diese sind sowohl zentral in der Produktion als auch an Außenstandorten im Einsatz. Damit lassen sich Ausstrichbilder in einer standardisierten Qualität über einen zentralen Server verwalten. Die Mitarbeiter der Standorte brauchen Proben nur noch auszustreichen, zu färben und einzulesen – dann erscheinen die präklassifizierten Zellen des Ausstrichs auf dem Bildschirm im Laborcenter und können validiert werden. Sind weitere Analysen nötig, fordert die „Produktion zentral“ die Probe und den Ausstrich von dezentralen Labors an.

Vorteile hoher Frequenz

Außerdem hat die Viollier AG ein Regelwerk erstellt, das mittels eines Dreistufensystems festlegt, welche Expertise für eine Validierung erforderlich ist. Dieses richtet sich nach dem Schweregrad von Pathologien, wobei es in der ersten Stufe darum geht, Abweichungen zu erkennen. Nach diesem Screening braucht es in der zweiten Stufe speziell geschulte Mitarbeiter mit mehrjähriger morphologischer Erfahrung, um Pathologien sicher beurteilen zu können. Und in der dritten Stufe sind es Hämatologen, die relevante Pathologien wie akute Leukämien, Lymphome oder Zytopenien beurteilen.

„Der große Vorteil der Zentralisierung ist, dass nötiges Spezialwissen für eine komplexe Analytik nicht mehr gleichzeitig an allen Standorten rund um die Uhr durch geeignete Experten abgedeckt werden muss“, erklärt Dr. Redondo. „Bei uns werden täglich 150 bis 200 mikroskopische Differenzialblutbilder analysiert. Da ist es klar, dass unser Laborpersonal und unsere Fachärzte durch diese hohe Frequenz viel mehr Erfahrung haben, als es in einem Spital mit etwa 15 bis 20 Blutbildern pro Monat der Fall sein kann. Und genau diese Erfahrung macht bei der Beurteilung von relevanten morphologischen Befunden den Unterschied.“

Zusätzlich verfügt die „Produktion zentral“ über eine Telehämatologie, und Fachexperten können sich jederzeit auf ein Mikroskop eines anderen Standorts einloggen, dort direkt mitschauen und bei der Validierung unterstützen. Allerdings lässt sich das Mikroskop vom PC aus nicht steuern. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass wir mit dem digitalen Morphologiesystem, das alle Zellen schon aufbereitet schickt, viel effizienter sind. Von allen Ausstrichen, die wir bekommen, können wir 85 bis 90 Prozent sofort befunden. Den Großteil aller Analysen mittlerweile ausschließlich elektronisch erledigen zu können, ohne einen Ausstrich unter das Mikroskop legen zu müssen, ist eine deutliche Erleichterung und eine deutlich spürbare Verbesserung der Turnaround Time für unsere Kunden“, so Dr. Redondo.

Auch Proben aus Arztpraxen

Neben Spitälern senden auch Arztpraxen eine große Anzahl hämatologischer Proben ein. Das Regelwerk, nach dem diese Proben untersucht werden, unterscheidet sich allerdings von dem für Krankenhausproben: „Wir müssen davon ausgehen, dass Patienten, die ins Spital gehen, generell schwerer erkrankt sind als die beim Hausarzt. In Spitälern sieht man beispielsweise häufiger schwere Infektionen, sodass reaktive Veränderungen in der Validierung hier grundsätzlich in Betracht gezogen werden müssen“, erklärt Dr. Redondo.

Proben aus Arztpraxen sind in der Regel bereits im praxiseigenen Point-of-Care-Labor untersucht worden und es ist dabei eine Fehlermeldung aufgetreten. Diese sozusagen vorselektierten Proben werden dann zur genauen Abklärung ins Laborcenter der Viollier AG geschickt. „In weniger als einem Prozent der Fälle liegt eine klinische Information oder Fragestellung bei“, bedauert Dr. Redondo. Um keine relevante Diagnose zu verpassen, werden, wo notwendig, zusätzliche Analysen vorgenommen, und gemäß Regelwerk wird gegebenenfalls zusätzlich ein Ausstrich angefertigt, der automatisch aufgenommen, analysiert, vorklassifiziert und validiert wird. „Das ist beispielsweise der Fall, wenn die Befunde der Hämatologie-Systeme Warnhinweise aus dem Regelwerk wie Blastenalarm, atypische Lymphozyten, erstmalige Neutropenie oder Thrombozytopenie aufweisen“, so der Laborleiter. „Wir müssen die Fragestellungen, die sich aus der Hämatologie ergeben, morphologisch bestätigen oder widerlegen.“

„Insbesondere in der Hämatologie und Zytologie müssen wir die Digitalisierung vorantreiben, um unseren Patienten und Ärzten überall und jederzeit einen besseren Service bieten zu können“

Dr. med. Maurice Redondo

 

Zurück in die Zukunft

Welche Entwicklungen erwartet Dr. Redondo für sein Labor? „Wir werden zukünftig neben dem Austausch von der Peripherie ins Zentrum des Netzwerks auch verstärkt von zentral nach peripher kommunizieren. Stellt man sich beispielsweise mikrobiologische Ausstriche wie Grampräparate vor, die zentral produziert und dann auf einem Server zur Verfügung gestellt werden, dann könnten Fachleute diese prinzipiell jederzeit und überall beurteilen und abarbeiten.“ Auch in der gynäkologischen Zytologie rechnet der Laborleiter mit dieser Entwicklung. Dass digitale Bildanalysen menschliche Fachkompetenz in naher Zukunft ersetzen können, hält Dr. Redondo hingegen für unwahrscheinlich. „Hämatologie-Systeme analysieren eine vielfach höhere Zellzahl, als es im Ausstrich möglich ist. Geht es aber um qualitative Aspekte in der Morphologie, unabhängig in unterlegen“, sagt er. Dr. Redondo ist sich sicher, dass sich die Grenzen verschieben und die qualitative Beurteilung mittels Software-Lösungen kontinuierlich verbessern wird. „Ich würde mir das auch wünschen“, so der Laborleiter.

Eine weitere Veränderung, die sich für Dr. Redondo abzeichnet, ist die wachsende Bedeutung von Gesundheitsdaten für den Patienten selbst. Die Ansprüche steigen, und so rechnet er damit, dass sich beispielsweise Betroffene von Blutarmut für weitere Laborwerte interessieren werden. „Zukünftig wird es für unsere Kunden wichtiger, von uns nicht bloß Resultate, sondern Antworten zu erhalten, welche weiteren Abklärungen in Zusammenhang mit einer Pathologie zu welchem Zeitpunkt relevant sind.“

Dr. Med. Maurice Redondo

ist Facharzt für Hämatologie FMH sowie ausgebildeter Spezialist für Labormedizin FAMH. Seit zehn Jahren ist er bei der Viollier AG in leitender Funktion in der Hämatologie, später
im Corelab, aktuell Bereichsleiter der „Produktion zentral“ in Allschwill

Summary:

  • Das Schweizer Privatlabor Viollier kompensiert den Fachkräftemangel teilweise durch Digitalisierung
  • Die Anbindung von dezentralen Labors mit zentralisierter Probenauswertung führt zu einer größeren Serienlänge und besserer Qualität der Analytik
  • Um Ausstriche standardisiert auszuwerten, nutzt Viollier ein digitales Morphologiesystem von Sysmex

 

Fotoquelle: Thomas Eugster

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