Sysmex Deutschland
Menu
Sysmex Deutschland Akademie Wissenszentrum Sysmex Parameter Unreife Granulozyten (Immature Granulocytes, IG)

Unreife Granulozyten (Immature Granulocytes, IG)

Das Vorhandensein unreifer Granulozyten im peripheren Blut deutet auf eine frühe Immunreaktion, eine Infektion, entzündliche Erkrankung oder andere Stimulationen des Knochenmarks hin, Neugeborene oder Schwangere ausgenommen.

IG-Zählung an Sysmex Volldifferenzierungssystemen

Während andere Hämatologiesysteme eine „Linksverschiebung“ mit einem „Flag“ anzeigen, wird an Sysmex 5-part-Diff-Systemen die genaue Anzahl der unreifen Granulozyten bestimmt. Der IG-Wert umfasst dabei die Anzahl an Promyelozyten, Metamyelozyten und Myelozyten, nicht aber stabkernige Granulozyten. Während das Labor durch die Bestimmung der IG-Zahl Ausstriche einsparen kann, eröffnen sich dem Kliniker neue diagnostische Möglichkeiten.

Diagnostische Signifikanz

Verschiedene Publikation zur diagnostischen Signifikanz der im Blut zirkulierenden unreifen Granulozyten konzentrieren sich auf Hinweise für das frühzeitige und schnelle Erkennen von bakteriellen Infektionen. Henriot et al. 2018 (1) zeigte insbesondere bei Kindern, dass die Kombination von IG und weiteren Parametern der XN-Serie zur Unterscheidung von bakteriellen und viralen Infektionen Hilfestellung geben können. Nierhaus et al. 2013 (2) konnte für Intensivpatienten in den ersten 48 Stunden zeigen, dass IG in der Diskriminierung von SIRS gegen Sepsis den Parametern CRP, LBP und IL-6 überlegen war.

Van der Geest et al. 2004 (3) erfasst in seinen Daten, dass IG ein Marker für den Schweregrad einer Infektion ist. Kombiniert mit WBC erreicht IG% die gleiche Qualität in der Prädiktion wie WBC und CRP, sodass IG% CRP bei Patienten mit kritischen Erkrankungen ersetzen kann. Bei einem Cut-Off von 0,4% zeigte IG % eine AUC von 0,73 in der Diskriminierung von SIRS und Sepsis. In Kombination mit WBC wurde eine AUC von 0,8-0,88 erzielt.

Aus den Daten von Roehrl et al. 2011 (4) lässt sich erschließen, dass die Mehrheit der Proben (2400 Patienten insgesamt) von gesunden Patienten im Bereich von IG% 0-0,2 lagen. IG wird als ein powervolles Tool für den ambulanten Bereich zitiert.

Da ein erhöhter IG-Wert stets auf eine aktive Immunreaktion hinweist, ist er bei Patienten indiziert, die infolge einer Immunsuppression hoch infektionsanfällig sind. Neben Patienten mit allgemeinen Infektionen und entzündlichen Erkrankungen ist die Bestimmung des IG-Werts besonders bei den folgenden Patienten von hoher klinischer Relevanz:

  • Patienten auf der Intensivstation
  • Patienten unter Chemotherapie
  • HIV-/AIDS-Patienten

Einsatz der IG-Zählung

Der IG-Wert kann zusammen mit anderen Parametern wie Zytokin, Interleukin und CRP die Diagnosestellung unterstützen und ein nützlicher Prädiktor für die Differentialdiagnose SIRS und SEPSIS sein. Bei Patienten, die bereits korrekt diagnostiziert wurden, ist der IG-Wert ein nützlicher Parameter für die Therapiekontrolle.

Zeigt die Blutanalyse einer ersten Anamnese einen erhöhten IG-Wert, muss i. d. R. ein Ausstrich angefertigt und morphologisch untersucht werden, um festzustellen, ob eine maligne oder eine reaktive Erkrankung vorliegt. Bei Patienten, die bereits wegen einer Infektion oder entzündlichen Erkrankung in Behandlung sind, kann die vollautomatische IG-Zählung im Rahmen der Therapiekontrolle eine manuelle mikroskopische Untersuchung überflüssig machen.

Die IG-Zahl von pädiatrischen Patienten, insbesondere von Frühgeborenen oder Neugeborenen unter 7 Tagen, sollte mit Bedacht interpretiert werden. Aufgrund der zellulären Eigenschaften von neonatalen unreifen Granulozyten kann die Markierung dieser Zellen schwierig sein. Im Zweifelsfall muss die Anzahl unreifer Granulozyten mikroskopisch bestätigt werden.

Weiterführende Literatur

Fallbeispiele zum Thema „unreife Granulozyten“ finden Sie hier:

Der Fall des Halbjahres: Der XE-2100 mit IG-Master in Kombination mit IMI und NRBC für eine frühe Detektion der neonatalen bakteriellen Infektion
Der Fall des Halbjahres: Monozytose bei chronischer myelomonozytischer Leukämie mit Dysgranulopoese
Der Fall des Halbjahres: Chronische myelomonozytäre Leukämie ohne Dysplasie
Bruegel et al.: Reference Value for Immature Granulocytes in Healthy Blood Donors Generated on the Sysmex XE-2100 Automated Hematology Analyser

Quellen

(1) Parameter-Informationen IG

(2) Henriot et al. 2017 New parameters on the hematology analyzer XN-10 (SysmexTM) allow to distinguish childhood bacterial and viral infections. Int J Lab Hematol 39(1):14

(3) Nierhaus et al. 2013 Revisiting the white blood cell count: immature granulocytes count as a diagnostic marker to discriminate between SIRS and sepsis - a prospective, observational study. BMC Immunology 14: 8

(4) Van der Geest et al. 2014 Immature Granulocytes Predict Microbial Infection and Its Adverse Sequelae in the Intensive Care Unit Epub 2014 Apr 5. 

(5) Roehrl et al. 2011 Age-dependent reference ranges for automated assessment of immature granulocytes and clinical significance in an outpatient setting. Arch Pathol Lab Med 135: 471–477.

Copyright © Sysmex Europe GmbH. All rights reserved.
Cookie-Einstellungen

Wir nutzen Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen und unsere Kommunikation mit Ihnen zu verbessern. Wir berücksichtigen Ihre Auswahl und verwenden nur die Daten, für die Sie uns Ihr Einverständnis geben.

* Kann zu Einschränkungen bei Inhalten und Nutzungserlebnis führen
Details zu Cookies
Notwendige Cookies
Diese Cookies helfen dabei, unsere Webseite nutzbar zu machen, indem sie Grundfunktionen wie Seitennavigation und Zugriffe auf sichere Bereiche ermöglichen. Unsere Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren.
Statistik-Cookies
Diese Cookies helfen uns zu verstehen, wie Besucher mit unserer Webseite interagieren, indem Informationen anonym gesammelt werden. Mit diesen Informationen können wir unser Angebot laufend verbessern.
Marketing-Cookies
Diese Cookies werden verwendet, um Besuchern auf Webseiten zu folgen. Die Absicht ist, Anzeigen zu zeigen, die relevant und ansprechend für den einzelnen Benutzer und daher wertvoller für Publisher und werbetreibende Drittparteien sind.