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RET-He – Auf einen Blick

  • Früher Marker für Eisenmangel: Veränderungen der Eisenversorgung werden bei Retikulozyten deutlich früher sichtbar als bei reifen Erythrozyten.
  • Aktuelle Beurteilung der Eisenverfügbarkeit: RET-He spiegelt die unmittelbar für die Hämoglobinsynthese verfügbare Eisenmenge wider.
  • Unabhängig von Akute-Phase-Reaktionen: Im Gegensatz zu Ferritin bleibt RET-He auch bei Entzündungen aussagekräftig.
  • Hohe diagnostische Genauigkeit: Hohe Sensitivität und Spezifität bei der Erkennung eines absoluten oder funktionellen Eisenmangels.
  • Geeignet für das Therapiemonitoring: Veränderungen der Eisenversorgung und das Ansprechen auf eine Eisentherapie können zeitnah verfolgt werden.
  • Einfache und schnelle Verfügbarkeit: Bestimmung im Rahmen einer routinemäßigen hämatologischen Untersuchung aus EDTA-Blut.
  • Keine zusätzliche Probengewinnung erforderlich: Der Parameter wird ohne zusätzlichen Analyseaufwand aus dem Blutbild bereitgestellt.

RET-He (Retikulozyten-Hämoglobin-Äquivalent)

RET-He beschreibt den Hämoglobingehalt der Retikulozyten und liefert eine aktuelle Aussage über die Eisenverfügbarkeit für die Erythropoese. Da Retikulozyten nur etwa zwei Tage im peripheren Blut zirkulieren, reagiert RET-He deutlich schneller auf Veränderungen des Eisenstatus als klassische Erythrozytenparameter.

RET-He ist ein etablierter Parameter zur Diagnose und Therapiekontrolle von Eisenmangel und Eisenmangelanämie. Zahlreiche Leitlinien empfehlen ihn aufgrund seiner hohen Sensitivität und Spezifität sowie seiner geringen Beeinflussung durch Akute-Phase-Reaktionen.

Frühe Erkennung von Eisenmangel

Die Lebensdauer reifer Erythrozyten beträgt rund 120 Tage. Veränderungen der Eisenversorgung werden daher durch klassische Parameter wie Hämoglobin (HGB), MCV oder MCH häufig erst verzögert sichtbar.

Retikulozyten spiegeln dagegen die aktuelle Erythropoese wider. Ihr Hämoglobingehalt zeigt frühzeitig an, ob ausreichend Eisen für die Bildung neuer Erythrozyten zur Verfügung steht. Dadurch können Eisenmangelzustände früher erkannt werden als mit herkömmlichen Erythrozytenparametern [1].

Diagnostische Bedeutung

RET-He ermöglicht eine direkte Beurteilung der Eisenverfügbarkeit für die Hämoglobinsynthese und unterstützt die Diagnose von absolutem und funktionellem Eisenmangel.

Der Referenzbereich liegt bei etwa 28–35 pg (1,77–2,22 fmol) [2]. Werte unter 28 pg sprechen für einen aktuellen Eisenmangel und werden in der AWMF-Leitlinie 025/021 [3] als diagnostisch relevant beschrieben.

Bedeutung klinisch-chemischer Parameter bei der Diagnose eines Eisenmangels

Herkömmliche biochemische Marker zur Beurteilung des Eisenstatus, wie Serumeisen, Transferrin, Transferrinsättigung oder Ferritin, können im Rahmen einer Akute-Phase-Reaktion – beispielsweise bei entzündlichen Erkrankungen – sowie bei verschiedenen anderen schweren Erkrankungen erheblich beeinflusst werden. Dadurch wird die klinische Interpretation der Messergebnisse häufig erschwert oder sogar unmöglich [4].

Während ein erniedrigter Ferritinspiegel stets auf einen Eisenmangel hinweist, erlauben normale oder erhöhte Ferritinwerte keine verlässliche Aussage über die tatsächliche Bioverfügbarkeit von Eisen.

Bei chronischen Erkrankungen wie rheumatoider Arthritis, Lebererkrankungen, Tumoren oder chronischer Niereninsuffizienz können Ferritinwerte trotz eines bestehenden funktionellen Eisenmangels normal oder erhöht sein. Ein funktioneller Eisenmangel liegt vor, wenn die Eisenspeicher zwar ausreichend gefüllt sind, das gespeicherte Eisen jedoch nicht mobilisiert und in den Blutkreislauf freigesetzt werden kann. Infolgedessen steht der Erythropoese nicht genügend Eisen für die Hämoglobinsynthese zur Verfügung.

Die Bestimmung des Hämoglobingehalts der Retikulozyten liefert in diesen Fällen eine direkte Aussage über die tatsächlich für die Hämoglobinsynthese verfügbare Eisenmenge. RET-He ermöglicht somit die Beurteilung, ob der Erythropoese ausreichend Eisen zur Verfügung steht, und bietet eine aktuelle Momentaufnahme der funktionellen Eisenversorgung. Dadurch stellt der Parameter ein wertvolles Hilfsmittel für die Diagnose und das Monitoring von Eisenmangelzuständen dar.

Da Ferritin als Akute-Phase-Protein im Rahmen von Entzündungsreaktionen unabhängig vom Eisenstatus erhöht sein kann, sollte bei der Interpretation von Ferritinwerten stets eine mögliche Entzündung berücksichtigt werden. Ergänzend empfiehlt sich die Bestimmung von Entzündungsmarkern wie dem C-reaktiven Protein (CRP).

Auch im präoperativen Umfeld spielt die frühzeitige Erkennung eines Eisenmangels eine wichtige Rolle, da eine Anämie das Risiko für Komplikationen und einen ungünstigen postoperativen Verlauf erhöhen kann. RET-He eignet sich hierbei als schneller und aktueller Marker der Eisenverfügbarkeit für die Erythropoese. Dadurch können Patientinnen und Patienten frühzeitig diagnostiziert und gegebenenfalls rechtzeitig vor einem geplanten Eingriff behandelt werden [1].

Einsatz von RET-He in der Routine

Anämien gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen zahlreicher Erkrankungen und werden trotz ihrer klinischen Relevanz häufig unterschätzt. Die Beurteilung der aktuellen erythropoetischen Aktivität ist daher ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik und Therapieplanung. RET-He liefert hierbei eine zeitnahe Aussage über die Eisenverfügbarkeit für die Erythropoese und unterstützt die frühzeitige Erkennung eines Eisenmangels.

RET-He wird insbesondere eingesetzt bei:

  • Anämie bei chronischen Erkrankungen (ACD): Unterstützung der Differenzialdiagnostik zwischen funktionellem und absolutem Eisenmangel
  • Renaler Anämie: Empfohlen in den „European Best Practice Guidelines (EBPG)“ sowie den Leitlinien der National Kidney Foundation Kidney Disease Outcomes Quality Initiative (NKF KDOQI) [5]
  • Tumorerkrankungen: Frühe Identifizierung einer eisendefizitären Erythropoese; empfohlen in der Onkopedia-Leitlinie „Eisenmangel und Eisenmangelanämie“ [6]
  • Eisenmangelanämie: Hohe diagnostische Genauigkeit bei der Erkennung eines Eisenmangels. Studien berichten eine Sensitivität von 92,7 % und eine Spezifität von 97,2 %, wodurch RET-He klassischen Eisenparametern wie Serumeisen, Ferritin oder TIBC teilweise überlegen sein kann [7].
  • Präoperative Diagnostik: Geeignet zur Beurteilung der aktuellen Eisenverfügbarkeit vor geplanten operativen Eingriffen. Im Gegensatz zu Ferritin bleibt RET-He auch bei entzündungsbedingten Akute-Phase-Reaktionen aussagekräftig und unterstützt die Identifikation eines funktionellen Eisenmangels [4].

Rererenzen

[1] Hoenemann C et al. (2021): Reticulocyte Haemoglobin as a Routine Parameter in Preoperative Iron Deficiency Assessment. Endocrinol Metab Vol. 5 No.1: 154.

[2] van Pelt L et al. (2022): Clin Chem Lab Med; 60(6): 907–920.

[3] AWMF-Leitlinie 025/021 für Eisenmangelanämie (2021): AWMF online

[4] Muñoz, M., et al. (2018): An international consensus statement on the management of postoperative anaemia after major surgical procedures. An international consensus statement on the management of postoperative anaemia after major surgical procedures.

[5] KDOQI Clinical Practice Guideline for Nutrition in CKD (2018): Update Ikizler, T. Alp et al. American Journal of Kidney Diseases, Volume 76, Issue 3, S1–S107.

[6] Onkopedia Leitlinie: (2025): Eisenmangel und Eisenmangelanämie

[7] Tiwari AK et al. (2018): Tiwari AK et al. Vox Sang. 2018 Oct;113(7):639-646.

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